Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
29
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erster Band.

Wer rächt die Unschuld dann? Weh dem gedrückten Staat,

Der, statt der Tugend, nichts, als ein Gesetzbuch hat!

Gesetze, nur ein Faum der offenen Verbrechen,

Gesetze, die man lehrt des Hasses Urtheil sprechen,

Wenn ihnen Eigennutz, Stolj und Partheylichkeit

Für eines SolonS Geist, den Geist der Drücknng leiht!

Da lernt Bestechung bald, in» Strafen zn entgehen,

Das Schwerdt der Majestät aus ihren Händen drehen:

Da pflanzet Hcrrschbegicr, sich freuend des Verfalls

Der Redlichkeit, den Fuß der Freyheit auf den Hals.

Läßt den, der sie vertritt, in Schimpf und Banden schmachten,

Und das blutschuld'ge Beil der ThemiS Unschuld schlachten!

Wenn der, den kein Gesetz straft, oder strafen kann,Der schlaue Bösewicht, der blutige Tyrann,Wenn der die Unschuld drückt, wer wagt cS, sie z» decken?Den sichert tiefe List, und diesen wafnct Schrecken.Wer ist ihr Genius, der sich entgegen legt?Wer? Sie, die itzt den Dolch, nnd itzt die Gcisscl trägt,Die unerschrokuc Kunst, die allen MißgestaltenStrafloser Thorheit wagt den Spiegel vorzuhalten;Die daS Geweb' enthüllt, worin sich List verspinnt,Und den Tyrannen sagt, daß sie Tyrannen sind;Die, ohne Menschenfurcht, vor Tbronen nicht erblödct,Und mit des Donners Stimm' ans Herz der Fürsten redet;Gekrönte Mörder schreckt, den Ehrgeitz nüchtern iiiacht,Den Heuchler züchtiget, und Thoren klüger lacht;Sie, die zum Unterricht die Todten läßt erscheinen,Die große Kunst, mit der wir lachen, oder weinen.

Sie fand in Griechenland Schutz, Lieb', und Lehrbcgier;In Rom, in Gallien , in Albion, und hier.Ihr, Freunde, habt hier oft, wenn ihre Thränen flössen,Mit edler Weichlichkeit, die Suren mit vergossen;Habt redlich Euren Schmerz mit ihrem Schmerz vereint,Und ihr aus voller Brust den Beyfall zngeweint:Wie sie gehaßt, geliebt, gehoffet, und gescheuet,Und Eurer Menschlichkeit im Leiden Euch erfreuet.Laug hat sie sich umsonst nach Bühnen umgesehn: