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Hamburgische Dramaturgie.
In Hamburg fand sie Schutz: hier sey denn ihr Athen !
Hier, in dein Schooß der Rnh, im Schutze weiser Gönner,
Gemnthigct durch Lob, vollendet durch den Kenner;
Hier reifet — ja ich wünsch', ich hoff, ich weissag' es! —
Ein zweyter Roscius, ein zweyter Sophokles,
Der Gräcicns Kolhnrn Germanien erncure:
Und ein Theil dieses Ruhms, ihr Gönner, wird der Eure.
O seyd desselben werth! Bleibt Eurer Ente gleich,
Und denkt, o denkt daran, ganz Teutschland sieht auf Euch!
Epilog.(Gesprochen von Madame Hcnscl.)
Seht hier! so standhaft stirbt der überzeugte Christ!So lieblos hasset der, dem Irrthum nützlich ist,Der Barbarei) bedarf, damit er seine Sache,Sein Anschn, seinen Traum, zu Lehren Gottes mache.Der Geist des Irrthums war Verfolgung und Gewalt,Wo Blindheit für Verdienst, und Furcht für Andacht galt.So konnt er sein Gespinst von Lügen, mit den BlitzenDer Majestät, mit Gisst, mit Meuchelmord beschützen.Wo Ueberzeugung fehlt, macht Furcht den Mangel gut:Die Wahrheit überführt, der Irrthum fodcrt Blut.Verfolgen muß man die, und mit dem Schwerdt bekehren,Die anders Glaubeiis sind, als die ISmciiorS. lehren.Und mancher Aladin sieht-Staatsklug oder schwach.Dem schwarzen Blutgcricht der Heilgen Mörder nach,Und muß mit seinem Schwerdt den, welchen Träumer hassen,Den Freund, den Märtyrer der Wahrheit irrirgcn lassen.AbscheulichS Meisterstück der Herrschsucht und der List,Wofür kein Name hart, kein Schimpfwort lieblos ist!O Lehre, die erlaubt, die Gottheit selbst mißbrauchen,In ein unschuldig Herz des Hasses Dolch zu tauchen,Dicli, die ihr Blulpanicr oft über Leichen trug,Dich, Greuel, zu verschmähn, wer leiht mir einen Fluch!Ihr Freund', in deren Brnst der Menschheit edle StimmeLaut für die Heldinn sprach, als Sie dem Priester-GrimmeEin schuldlos Opfer ward, und für die Wahrheit sank: