Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

Erster Band. 3l

Habt Dank für dies Gefühl, für jede Thräne Dank!

Wer irrt, verdient nicht Zucht des Hasses oder SpotteS:

Was Menschen hassen lehrt, ist keine Lehre Gottes!

Ach! liebt die Irrende», die ohne Bosheit blind,

Zwar Schwächere vielleicht, doch immer Menschen sind.

Belehret, duldet sie; und zwingt nicht die zu Thränen,

Die sonst kein Vorwurf trift, als daß sie anders wähnen!

Rechtschaffen ist der Mann, den, seinem Glauben treu,

Nichts zur Verstellung zwingt, zu böser Heuchelei);

Der für die Wahrheit glüht, und, nie durch Furcht gczügclt,

Sie freudig, wie Oliut, mit seinem Blut versiegelt.

Solch Beyspiel, edle Freund', ist Eures Beyfalls werth:

O wohl uns.' hätten wir, was Cronegk schön gelehrt,

Gedanken, die ihn selbst so sehr veredelt haben,

Durch unsre Vorstellung tief in Eur Herz gegraben!

Des Dichters Leben war schön, wie sein Nachruhm ist;

Er war, und o verzeiht die Thrän! und starb ein Christ.

Ließ sein vortrefflich Herz der Nachwelt in Gedichten,

lim sie was kann man mehr? noch todt zu untcrrichlcn.

Versaget, hat Euch itzt Sophronia gerührt,

Denn seiner Asche nicht, was ihr mit Recht gebührt,

Den Seufzer, daß er starb, den Dank für seine Lehre,

Und ach! den traurigen Tribut von einer Zähre.

Uns aber, edle Freund', ermuntre Güligkcit;

Und hätten wir gefehlt, so tadelt; doch verzeiht.

Verzeihung mulhigct zu edclcrm Erkühnen,

Und feiner Tadel lehrt, das höchste Lob verdienen.

Bedenkt, daß unter uns die Kunst nur kaum beginnt,

In welcher tausend O-uius, für einen Garrick sind;

Erwartet nicht zu viel, damit wir immer steigen,

Und doch nur Euch gebührt zu richten, uns zu schweigen.

Siebendes Stück.Den 22stcn May, 1767.

Der Prolog zeiget das Schauspiel in seincr höchsten Wurde,indem er es als das Supplement der Gesetze betrachten läßt.Es giebt Dinge in dem sittlichen Betragen des Menschen, welche,