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Hamburgische Dramaturgie.
in Ansehung ihres unmittelbaren Einflnßcs auf das Wohl derGesellschaft, zu unbeträchtlich, und in sich selbst zu veränderlichsind, als daß sie werth oder fähig wären, unter der eigentlichenAufsicht des Gesetzes zu stehen. Es giebt wiederum andere, ge-gen die alle Kraft der Legislation zu kurz fällt; die in ihrenTriebfedern so unbegreiflich, in sich selbst so ungeheuer, in ihrenFolgen so unermeßlich sind, daß sie entweder der Ahndung derGesetze ganz entgehen, oder doch unmöglich nach Verdienst ge-ahndet werden können. Ich will es nicht unternehmen, auf dieerstem, als auf Gattungen des Lächerlichen, die Komödie; undauf die andern, als auf aufscrordentlichc Erscheinungen in demReiche der Sitten, welche die Vernunft in Erstaunen, und dasHerz in Tumult setzM, die Tragödie einzuschränken. Das Genielacht über alle die Grenzscheidungcn der Kritik. Aber so vielist doch unstreitig, daß das Schauspiel überhaupt seinen Nor-wurf entweder disscits oder jenseits der Grenzen des Gesetzeswählet, und die eigentlichen Gegenstände desselben nur in so fernbehandelt, als sie sich entweder in das Lächerliche verlieren,oder bis in das Abscheuliche verbreiten.
Der Epilog verweilet bey einer von den Hauptlchren, aufwelche ein Theil der Fabel und Charaktere des Trauerspiels mitabzwcckcn. Es war zwar von dem Hrn. von Eroncgk ein wenigunüberlegt, in einem Stücke, dessen Stoff aus den unglücklichenZeiten der Krcutzzügc genommen ist, die Toleranz predigen, unddie Abschculichkciten des Geistes der Verfolgung an den Bckcn-nern der mahomcdanischcn Religion zeigen zu wollen. Denndiese Kreutzzüge selbst, die in ihrer Anlage ein politischer Kunstgriffder Päbstc waren, wurden in ihrer Ausführung die unmensch-lichsten Verfolgungen, deren sich der christliche Aberglaube jemalsschuldig gemacht hat; die meisten und blutgierigsten ZsmcnorShatte damals die wahre Religion; und einzelne Personen, dieeine Moschee beraubet haben, zur Strafe ziehen, kömmt daswohl gegen die unselige Raserey, welche das rechtgläubige Eu-ropa entvölkerte, um das ungläubige Asien zu verwüsten? Dochwas der Tragicus in seinem Werke sehr unschicklich angebrachthat, das konnte der Dichter des Epilogs gar wohl auffassen.Menschlichkeit und Sanftmuth verdienen bey jeder Gelegenheit