Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

Erster Band.

33

empfohlen zu werden, und kein Anlaß dazu kann so entferntseyn, den wenigstens unser Herz nicht sehr natürlich und drin-gend finden sollte.

Ucbrigcns stimme ich mit Vergnügen dem rührenden Lobebey, welches der Dichter dem seligen Cronegk ertheilet. Aberich werde mich schwerlich bereden lassen, daß er mit mir, überden poetischen Werth des kritisirten Stückes, nicht ebenfalls ei-nig seyn sollte. Ich bin sehr betroffen gewesen, als man michversichert, daß ich verschiedene von meinen Lesern durch meinunvcrhohlncs Urtheil unwillig gemacht hätte. Wenn ihnen be-scheidene Freyheit, bey der sich durchaus keine Nebenabsichtendenken lassen, mißfällt, so laufe ich Gefahr, sie noch oft un-willig zu machen. Ich habe gar nicht die Absicht gehabt, ihnendie Lesung eines Dichters zu verleiden, den ungekünstelter Witz,viel feine Empfindung und die lauterste Moral empfehlen. DieseEigenschaften werden ihn jederzeit schätzbar machen, ob man ihmschon andere absprechen muß, zu denen er entweder gar keineAnlage hatte, oder die zu ihrer Reife gewisse Zahre erfordern,weit unter welchen er starb. Sein Eodrus ward von den Ver-fassern der Bibliothek der schönen Wissenschaften gckrönet, aberwahrlich nicht als ein gutes Stück, sondern als das beste vondenen, die damals um den Preis stritten. Mein Urtheil nimmtihm also keine Ehre, die ihm die Kritik damals ertheilet. WennHinkende um die Wette laufen, so bleibt der, welcher von ihnenzuerst an das Ziel kömmt, doch noch ein Hinkender.

Eine Stelle in dem Epilog ist einer Mißdeutung ausgesetztgewesen, von der sie gerettet zu werden verdienet. Der Dichter sagt:Bedenkt, daß unter uns die Kunst nur kaum beginnt,In welcher tausend O-uins, für einen Earrick sind.Quin, habe ich darwidcr erinnern hören, ist kein schlechter Schau-spieler gewesen. Nein, gewiß nicht; er war Thomsons beson-derer Freund, und die Freundschaft, in der ein Schauspieler miteinem Dichter, wie Thomson, gestanden, wird bey der Nachweltimmer ein gutes Vorurthcil für seine Kunst erwecken. Auchhat Quin noch mehr, als dieses Vorurtheil für sich: man weißdaß er in der Tragödie mit vieler Würde gespielet; daß er be-sonders der erhabenen Sprache des Milton Genüge zu leisten

Lessings Werk- VII. z