Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
34
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Hambnrgische Dramaturgie.

gewußt; daß cr, im Komischen, die Rolle des Falstaff zn ihrergrößte» Vollkommenheit gebracht. Doch alles dieses macht ihnzu keinem Garrick; und das Mißverständnis; liegt blos darinn,daß man annimmt, der Dichter habe diesem allgemeinen undausscrordcntlichcn Schauspieler einen schlechten, und sür schlechtdurchgängig erkannten, entgegen setzen wollen. O-uin soll hiereinen von der gewöhnlichen Sorte bedeuten, wie man sie alleTage sieht; einen Mann, der überhaupt seine Sache so gutwegmacht, daß man mit ihm zufrieden ist; der auch diesen undjenen Charakter ganz vortrefflich spielet, so wie ihm seine Figur,seine Stimme, sein Temperament dabey zu Hülfe kommen. Soein Mann ist sehr brauchbar, und kann mit allem Rechte einguter Schauspieler heissen; aber wie viel fehlt ihm noch, um derProtcus in seiner Kunst zu seyn, für den das einstimmige Ge-rücht schon längst den Garrick erkläret hat. Ein solcher Quinmachte, ohne Zweifel, den König im Hamlet, als Thomas Zoncsund Rebhuhn in der Komödie waren;(°) und der Rebhuhnegiebt es mehrere, die nicht einen Augenblick anstehen, ihn einemGarrick weit vorzuziehen.Was? sagen sie, Garrick der größteAkteur? Er schien ja nicht über das Gespenst erschrocken, son-dern cr war es. Was ist das für eine Kunst, über ein Ge-spenst zu erschrecken? Gewiß lind wahrhastig, wenn wir denGeist gesehen hätten, so würden wir eben so ausgesehen, undeben das gethan haben, was cr that. Der andere hingegen,der König, schien wohl auch, etwas gerührt zu seyn, aber alsein guter Akteur gab cr sich doch alle mögliche Mühe, es zuverbergen. Zu dem sprach cr alle Worte so deutlich aus, undredcte noch einmal so laut, als jener kleine unansehnliche Mann,aus dem ihr so ein Aufhebens macht!"

Bey den Engländern hat jedes neue Slück seinen Prologund Epilog, den entweder der Verfasser selbst, oder ein Freunddesselben, abfasset. Wozu die Alten den Prolog brauchten, denZuhörer von verschiedenen Dingen zu unterrichten, die zu einemgeschwindem Verständnisse der zum Grunde liegenden Geschichtedes Stückes dienen, dazu brauchen sie ihn zwar nicht. Aber

(°) Theil VI. S. 15.