Hamburgische Vram.Uurgie.
Komödie, wo man niemals lacht, auch nicht einmal lächelt, woman nur immer weinen möchte, ist ihm ein Ungeheuer. Hin-gegen findet er den Ilcbcrgang von dem Rührenden zum Lächer-lichen, und von dem Lächerlichen zum Rührenden, sehr natürlich.Das menschliche Leben ist nichts als eine beständige Kette solcherUcbcrgängc, und die Komödie soll ein Spiegel des menschlichenLebens seyn. „Was ist gewöhnlicher, sagt er, als daß in demnehmlichen Hause der zornige Vater poltert, die verliebte Tochterseufzet, der Sohn sich über beide aufhält, und jeder Anverwandtebey der nehmlichen Scene etwas anders empfindet? Man verspot-tet in einer Stube sehr oft, was in der Stube neben an äußerstbewegt; und nicht selten hat eben dieselbe Person in eben der-selben Viertelstunde über eben dieselbe Sache gelacht und gewcinct.Eine sehr ehrwürdige Matrone saß bey einer von ihren Töchtern,die gefährlich krank lag, am Bette, und die ganze Familie standum ihr herum. Sie wollte in Thränen zerfließen, sie rang dieHände, und rief: O Gott! laß mir, laß mir dieses Kind, nurdieses; magst du mir doch alle die andern dafür nehmen! Hiertrat ein Mann, der eine von ihren übrigen Töchtern gchcyrathethatte, näher zu ihr hinzu, zupfte sie bc» dem Acrmcl, und fragte:Madame, auch die Schwiegersöhne? Das kalte Blut, der ko-mische Ton, mit denen er diese Worte aussprach, machten ei-nen solchen Eindruck auf die betrübte Dame, daß sie in vollemGelächter herauslaufen mußte; alles folgte ihr und lachte; dieKranke selbst, als sie es hörte, wäre vor Lachen fast erstickt."
„Homer , sagt er an einem andern Orte, läßt sogar dieGötter, indem sie das Schicksal der Welt entscheiden, über denpoßirlichcn Anstand des Vulkans lachen. Hektor lacht über dieFurcht seines kleinen Sohnes, indem Andromacha die HeissestenThränen vergießt. Es trift sich wohl, daß mitten unter denGreueln einer Schlacht, mitten in den Schrecken einer Fcucrs-brnnst, oder sonst eines traurigen Verhängnisses, ein Einfall,eine ungcfchrc Posse, Trotz aller Beängstigung, Trotz alles Mit-leids, das unbändigste Lachen erregt. Man befahl, in derSchlacht bey Spcycrn, einem Regiment?, daß es keinen Par-don geben sollte. Ein deutscher Officicr bat darum, und derFranzose, den er darum bat, antwortete: Bitten Sie, mein