Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
262
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262 Hamburgische Dramaturgie.

ringschätze» können? Ihn, der sich so eigenmächtig vor meine Augendringen darf« Warum blieb er nicht, wo ich ihm zu bleiben befahl?

Rutlaiid. Rechne ihm dieses zu keinem Verbrechen! Gieb dieSchuld der Gefahr, in der er sich sahe, vr hörte, was hier vor-gieng; wie sehr man ihn zu verkleinern, ihn Dir verdächtig zu ma-chen suche, ör kam also, zwar ohne Erlaubniß, aber in der bestenAbsicht; in der Absicht, sich zu rechtfertigen, und Dich nicht hinterge-hen zu lassen.

Die Königinn. Gut; so will ich ihn denn sehen, und willihn gleich sehen. O, meine Rutland, wie sehr wünsche ich es, ihnnoch immer eben so rechtschaffen zu finden, als tapfer ich ihn kenne!

Rutland. O, nähre diese gunstige Gedanke! Deine königlicheSeele kann keine gerechtere Hägen. Rechtschaffen! So wirst Duihn gewiß finden. Ich wollte für ihn schwören; bey aller DeinerHerrlichkeit für ihn schwören, daß er es nie aufgehöret zu seyn. SeineSeele ist reiner als die Sonne, die Flecken hat, und irrdische Dünstean sich ziehet, und Geschmeiß ausbrütet. Du sagst, er ist tapfer;lind wer sagt eS nicht? Aber ein tapferer Mann ist keiner Nieder-trächtigkeit fähig. Bedenke, wie er die Rebellen gezüchtiget; wie furcht-bar er Dich dem Spanier gemacht, der vergebens die Schätze seinerIndien wider Dich verschwendete. Sein Name floh vor Deinen Flot-ten und Völkern vorher, und ehe diese noch eintrafen, hatte öftersschon sein Name gesiegt.

Die Königinn, (bey Seite) Wie beredt sie ist! Ha! diesesFcner, diese Innigkeit, das bloße Mitleid gehet so weit nicht.Ich will es gleich hören! (zu ihr) Und dann, Rutland, seineGestalt

Rutland. Recht, Königinn; seine Gestalt. Nie hat eineGestalt den innern Vollkommenheiten mehr entsprochen! Bekennes, Dn, die Du selbst so schön bist, daß man nie einen schönernMann gesehen! So würdig, so edel, so kühn und gebietherisch dieBildung! Jedes Glied, in welcher Harmonie mit dem andern! Unddoch das Ganze von einem so sanften lieblichen Umrisse! DaS wahreModell der Natur, einen vollkommenen Mann zu bilden! Das selteneMuster der Kunst, die aus hundert Gegenständen zusammen suchenmuß, was sie hier bey einander findet!

Die Königinn, (bey Seite) Ich dacht es! Das ist nicht