Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
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Haiiiburgische Tramatiirgie.

auf eiiic» Haufen getragen. Zch kcnnc ihre Art zu kritisiren.Alle die kleinen Nachläßigkcitcn, die ihr zärtliches Ohr so un-endlich beleidigen, die dem Dichter so schwer zu finden waren,die er mit so vieler Uebcrlegung dahin und dorthin strencte,um den Dialog geschmeidig zu machen, und den Reden einenwahrer» Anschein der augenblicklichen Eingebung zu ertheilen,reihen sie sehr witzig zusammen auf einen Faden, und wollensich krank darüber lachen. Endlich folgt ein mitleidiges Achsel-zucken:man hört wohl, daß der gute Mann die große Weltnicht kennet; daß er nicht viele Königinnen reden gehört; Ra-cine verstand das besser; aber Racine lebte auch bey Hofe."

Dem ohngcachtct würde mich das nicht irre machen. Destoschlimmer für die Königinnen, wenn sie wirklich nicht so spre-chen, nicht so sprechen dürfen. Zch habe es lange schon ge-glaubt, daß der Hof der Ort eben nicht ist, wo ein Dichterdie Natur studircn kann. Aber wenn Pomp und Etiquetteaus Menschen Maschinen macht, so ist es das Werk des Dich-ters, aus diesen Maschinen wieder Menschen zu machen. Diewahren Königinnen mögen so gesucht und affcktirt sprechen, alssie wollen: seine Königinnen müssen natürlich sprechen. Erhöre der Hekuba des Euripidcs nur fleißig zu; und tröste sichimmer, wenn er schon sonst keine Königinnen gesprochen hat.

Nichts ist züchtiger und anständiger als die simple Natur.Grobheit und Wust ist eben so weit von ihr entfernt, alsSchwulst und Bombast von dem Erhabnen. Das nehmlicheGefühl, welches die Grenzschcidung dort wahrnimt, wird sie auchhier bemerken. Der schwülstigste Dichter ist daher unfehlbarauch der pöbelhafteste. Beide Fehler sind unzertrennlich; undkeine Galtung giebt mehrere Gelegenheit in beide zu verfallen,als die Tragödie.

Gleichwohl scheinet die Engländer vorncbmlich nur der eine,in ihrem Banks beleidiget zu haben. Sie tadelten wenigerseinen Schwulst, als die pöbelhafte Sprache, die er so edle undin der Geschichte ihres Landes so glänzende Personen führenlasse; und wünschten lange, daß sei» Stück von einem Manne,der den tragischen Ausdruck mehr in seiner Gewalt habe, möchte