6 Pope ei» MetaPhysiker!
Wcltwcise cm poetischer Wcltweisc geworden. Illlcin ein philo-sophischer Dichter ist darum noch kein Philosoph, und ein poe-tischer Wcltwcise ist darum noch kein Poet.
Aber so sind die Engländer. Zhrc grossen Geister sollen im-mer die größten, und ihre seltnen Köpfe sollen immer Wunderseyn. Es schien ihnen nicht Ruhms gnug, Popen den vor-trcflichstcn philosophischen Dichter zu nennen. Sie wollen, daßcr cin cben so grosser Philosoph als Poet sey. Das ist; siewollen das Unmögliche, oder sie wollen Popen als Poet um eingrosses erniedrigen. Doch das lcztcrc wollen sie gewiß nicht; siewollen also das erstere.
Bisher habe ich gezeigt--wenigstens zeigen wollen--
daß cin Dichter, als Dichter, kein System machen könne. Nun-mehr will ich zeigen, daß cr auch keines machen rvill; gesetztauch, cr könnte; gesetzt auch, meine Schwierigkeiten involvirtenkeine Unmöglichkeit, und sein Genie gebe ihm Mittel an dieHand, sie glücklich zu übersteigen.
Ich will mich gleich an Popen selbst halten. Sein Ge-dicht sollte kein unfruchtbarer Zusammenhang von Wahrheitenseyn. Er nennt es selbst cin moralisches Gedicht, in welchem erdie Wcgc Gottcs in Ansehung der Menschen rechtfertigen wolle.Er suchte mehr einen lebhaften Eindruck, als eine tiefsinnige
Ueberzeugung--Was mußte cr wohl also in dicscr Absicht
thun? Er mußte, ohne Zweifel, alle dahin cinschlagcndc Wahrhei-ten in ihrem schönsten und stärksten Lichte seinen Lesern darstellen.
Nun überlege man, daß in einem System nicht alle Theilevon gleicher Deutlichkeit seyn können. Einige Wahrheiten des-selben ergeben sich so gleich aus dem Grundsätze; andere sindmit gehäuften Schlüssen daraus herzuleiten. Doch diese letztenkönnen in einem andern System die deutlichsten seyn, in wel-chem jene erstem vielleicht die dunkelsten sind.
Der Philosoph macht sich aus dicscr kleinen Unbequemlich-keit der Systeme nichts. Die Wahrheit, die er durch einenSchluß erlanget, ist ihm darum nicht mehr Wahrheit, als die,zu welcher cr nicht anders als durch zwanzig Schlüsse gelangenkann; wenn diese zwanzig Schlüsse nur untrüglich sind. Ge-nug, daß cr alles in einen Zusammenhang gebracht hat; genug