Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1765.
Der Mann der unter uns
Viel grosse Geister findet,
Der ist der grosse Duus!(21. Jan.) Lyrische und andere Gedichte. Neue und umdie Helfte vermehrte Auflage. Mit allergnädigsten Freyheiten.Anspach, zu finden bey Jacob Christoph posch 1755. I» 8vo. 12Bogen. Die erste Ausgabe dieser Gedichte ist bereits vor fünf Jah-ren erschienen, und von Kennern wohl aufgenommen worden. Manerkannte ihren Verfasser, welches der Herr RegierungSsecretär Uy inAnspach ist, sogleich für einen wahren Schüler des Horaj, der vondem Feuer seines Musters beseelt werde, und etwas mehr gelernt habe,als ihm hier eine Gedanke und da eine Wendung, nicht sowohl abzu-borgcn, als abzustehlen. Die Vermehrungen, welche er jctzo hinzuge-than, sind so beträchtlich, daß er die Oden in vier Bücher hat abthei-len können. Die ersten zwey enthalten die bereits gedruckten Stücke;aber so, wie sie sich der verbessernden Hand eines Verfassers, der al-ler Welt eher, als sich ein Genüge thun kann, entreissen dürfen. Erhat überall verändert und auch fast überall glücklich verändert. Wirsagen fast, und hoffen, daß er es denjenigen nicht übel ausdeutenwird, die sich, vielleicht ans einer Art von Prädilection hier und daseiner erstem Gedanken gegen die letztem annehmen. Unter den neuenOden, welche das dritte und vierte Buch ausmachen, wird man ver-schiedne von dem erhabensten Inhalte finden, und einen philosophischenKopf wird die, welche er Theodicee überschrieben hat, nicht andersals entzücken können. Sie sind überhaupt alle vortreflich, obgleichnicht alle von einerley Fluge. Und auch dieses hat er mit dem Ho-raz gemein, welcher sich oft in die niedre Sphäre des Scherzes undangenehmer Empfindungen herab läßt, und auch da die geringstenGegenstände zu veredeln weiß. Nur an den schmutzigen Bildern hatunser deutscher Horaz eine gleiche Kunst zu zeigen, verweigert. DieAnständigkeit ist das strenge Gesetz, welches seine Muse auch iu denEntzückungen des Weines und der Liebe nie verletzet.--Die übri-gen Vermehrungen bestehen in dem Sieg des Liebesgottes/ welchesscherzhafte Heldengedichte man auch bereits kennet, und in einigen poe-tischen prosaischen Briefen, welche Theils freundschaftlichen, Theils cri-tische» Inhalts sind. Der vierte ist besonders merkwürdig. Kostet inden Vossischen Buchläden hier und in Potsdam 16 Gr.