Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
45
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Alls der Berlinischen Zeitung vom I. 17S6.

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(6. Merz.) F'aikes A t?ontes. Ä /'a^i« e/ie» /),tc/ie«,is 1754.i,t 42mo. 10 Bogen. Aus der Aufschrift dieses Werks wird manes schwerlich schliesscn können, wie vielen Antheil die Ehre des deut-schen Witzes daran nimt. Wir müssen also nur gleich sagen, daß seinVerfasser, welcher sich zwar nicht genennet hat, von dem wir aberwissen, daß es der Herr Rivery, Mitglied der Akademie zu Amiens ,ist, den größten Theil seiner Fabeln und Erzehlungen einem unsererDichter schuldig sey, dem noch niemand den Ruhm eines deutschen laFontaine abgesprochen hat. Der Hr. Professor Gellert hat schonmehr als einmal den Verdruß gehabt, sich in unglücklichen Ucbcrsetzun-gen verstellet zu sehen; und es muß ihm daher nothwendig angenehmseyn, endlich in die Hände eines Gelehrten zu fallen, der alle Geschick-lichkeit besitzt, ihm ungleich mehr Gerechtigkeit wiedcrfahren zu lassen.Wir wollen damit nicht sagen, daß wir in den freyen Uebcrsctzungen desHerrn Rivery alle Schönheiten des Originals wiedergefunden hätten;wir müßten von der Unmöglichkeit solcher Uebcrsetzungen gar nichtswissen, wenn es uns auch nur eingekommen wäre, sie darinne zu su-chen. Wir haben uns begnügt, deren so viele zu finden, als nöthigsind, es den Herren Franzosen wahrscheinlich zu machen, daß vonRechts wegen noch weit mehrere darinne seyn müßten, wenn sie dieBegierde für überflüssig halten sollten, einen Gellert in seiner Sprachelesen zu können. Doch nicht um diesen schönen Geist allein, sondernum die ganze deutsche Nation hat sich Herr Rivery verdient gemacht.Er hat nehmlich eine Einleitung voran geschickt, in welcher er vonunserer Litteratur überhaupt Nachricht ertheilt. Das, was er davonsagt, zeigt von eben so vieler Einsicht als Billigkeit; und wenn esihm gelingen sollte, die Beystimmung seiner Landsleute zu erhalten,so werden es die Deutschen wieder vergessen können, daß ein ZZouhourseinmal eine abgeschmackte Frage gethan hat. Seine Nachricht ist zwardie vollständigste gar nicht; allein wir müssen auch gestehen, daß wirdiese Unvollständigkcit fast eben so gern, als ungern bemerkt haben.Sie wird allenfalls zu einer sehr nützlichen Ergänzung Gelegenheitgeben, wenn man etwa in der Vorstellung des Herrn Rivery diedeutschen Musen für so gar wichtig doch noch nicht ansehen sollte, dieAufmerksamkeit der Ausländer zu verlangen. Er kennet von unsernNeuern, ausser dem Herrn Gellert, fast niemanden als einen Günther,einen Hagedorn, einen Haller, und einen Rabner. Es werden