Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1765. 57
cken, als in der Art des Vertrages, ähnlich gerathen sey. Die jetztunter den Menschen übliche Ungleichheit scheinet nehmlich, an ihm kci-nen grossem Gönner gefunden zu haben, als die Gelehrsamkeit anihm fand, in so fern sie den Menschen tugendhafter wollte gemachthaben. Er ist noch überall der kühne Weltwcise, welcher keine Vor-urthcile, wenn sie auch noch so allgemein gebilligct wären, ansichet,sondern graben Weges ans die Wahrheit zugehet, ohne sich um dieScheinwahrhciten, die er ihr bey jedem Tritte aufopfern muß, zu be-kümmern. Sein Herz hat dabey an allen seinen spcculativischcn Be-trachtungen Antheil genommen, und er spricht folglich aus einem ganzandern Tone, als ein feiler Sophist zn sprechen pflegt, welchen Eigen-nutz oder Prahlerei) zum Lehrer der Weisheit gemacht haben. Dadiese Eigenschaften alles was er schreibt, auch da noch lcsenswürdigmachen müssen, wenn man seiner Meinung nicht beytreten kaun; sowird es hoffentlich dem deutschen Publico angenehm seyn, wenn wirihm eine Uebersctzung dieses neuen Rousscauischen Werks voraus an-kündigen. Es ist ein Mann von Einsicht und Geschmack, welcher sieunternommen hat, und wir sind gewiß, daß er beydes bey einer Ar-beit zeigen wird, bey welcher die meisten nur Kenntniß der Sprachenzu zeigen gewohnt sind. Sie wird in den Lossischen Buchlädcn andas Licht treten, wo jetzt die französische Urschrift für 22 Gr. zuhaben ist.
(19. Julius.) Die Schwachheit des menschlichen Herzensbey den Anfällen der Liebe. Frankfurt und Leipzig verlegtsG, P- Monath 1756. In 8vo. 17 Aogen. Es scheinet als obman nns diesen weniger als mittelmässigen Roman als ein deutschesOriginal aufdringen wolle. Die Vorrede ist in diesem Jahre unter-schrieben und auf dem Titel wird keines Uebersctzers gedacht. Abergleichwohl darf mau nur wenige Seiten lesen, wenn man die fremd:aus den deutschen Worten hervorblickende Grundsprache erkennen will.Die Anlage ist französisch, so wie die Denknngsart und der Ausdruck.Der Held heißt der Ritter von Äelincourt, und die Thaten seinerRitterschaft lassen sich ans der Aufschrift errathen. So wenig erbau-lich sie aber auch immer sind, so versichert man uns doch, daß sie zurBeförderung der Tugend aufgezeichnet worden. — Wenn die Roma-iicnschrcibcr, welche keine Ricyardsons sind, doch nur immer auf