Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1765. 61
Tadel des Verfassers für einen Lobspruch würde genommen haben.Denn sind nicht alle mathematische Wahrheiten identische Sätze? Undwas kann ein Leibniy mehr verlangen, als die metaphysischen Wahr-heiten so gewiß zu machen, als die mathematischen? Dergleichen Ein-würfe scheinen eher von einem Misologen als von einem Zweiflerzu kommen. Zwar wer weis, ob wir jemals andere, als misologifcheZweifler gehabt haben? ES giebt Misologen, laßt Plato den So-cratcs irgendwo sagen, so wie es Misanthropen giebt. Die Misan-thropie und Misologie kommen aus einer Quelle. Denn woher ent-steht die Misanlhropie? Ein Mensch, der einem andern, ohne genüg-same Untersuchung, für aufrichtig und getreu gehalten hat, siehet, daßer es nicht ist. Er wird hintergangcn, und abermals hintergangcn.Endlich wird er unwillig, daß er sich von denen betrogen findet, dieer seine besten Freunde zu seyn glaubte. Diese waren falsch, schließter, also sind alle Menschen falsch. Folglich, da er nur einige hassensollte, haßt er sie alle. Wie sich nun der Misanthrop gegen dieMenschen verhält, so verhält sich der Misolog gegen die Gründe. Erhat diesen oder jenen mehr getrauet, als er ihnen hätte trauen sollen;er wird es gewahr, und nimt sich vor, gar keinen mehr zu trauen.
DaS war nicht wahr; drum ist nichts wahr.--Die dein Werke
beygefügten Stücke sind ein Brief über die Glückseligkeit der Menschen,und die Rede, welche der Verfasser bey seiner Aufnahme in die Königl.Akademie gehalten hat. Beyde wird man mit keinem gemeinen Vergnügenlesen. Kostet in den Vossischen Buchläden hier und in Potsdam 1V Gr.
(4 Sept.) Ueber die Empfindungen. Berlin bey Thr. Fried.Voß 17ZZ. In 8vo. 14 Bogen. Der Verfasser dieser Schrift isteben der, welchem wir die philosophischen Gespräche schuldig sind. Siesind durchgängig mit Beyfall aufgenommen worden. Wir wünschtenaber sehr, daß man diesen Beyfall mehr auf den Inhalt, als auf dieArt des Vertrags hätte gründen wolle». Waren denn absiractc Ge-danken in einer schönen Einkleidung eine so gar neue Lrschcinnng un-ter uns, daß man bey der Anmuth der letztern die Gründlichkeit dererstem übersehen durste? Wären sie in den barbarischsten Ausdrückeneiner lateinisch scheinenden Sprache vorgetragen worden, so würdeman sie untersucht und bestrittcn haben. Warum unterblieb beydes,da sie deutsch , da sie schön abgefaßt waren? Ist der Deutsche, wenner ein gründlicher Kopf ist, so gar düster und allen Grazie» so gar