Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
62
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62 Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 176Z.

fcind; oder ist der Deutsche , wenn er ein schöner Geist ist, so garseicht, daß jener nicht will, und dieser nicht kann? Unglück alsdennfür den, der beydes zugleich, ein gründlicher Kopf und schöner Geist,ist! Er wird sich theilen müssen, um immer von seinen compctcntcnRichtern gelesen zu werden. Er wird es, wenn er denken will, ver-gessen müssen, daß er schön schreiben kann; und wcun er schön schrei-ben will, vergessen müssen, daß erdenken kann.--Diese Betrach-tung sollte uns fast bewegen, von der Einkleidung des gegenwärtigenWerks gar nichts zu sagen. Kaum dieses; daß es aus Briefen bestehe,in welchen überall der einmal angenommene Charakter des Schreiben-den behauptet und die ganze Materie so kunstreich vertheilet worden,daß man sehr unaufmerksam seyn müßte, wenn sich nicht am Ende,ohne das Trockne der Methode empfunden zu haben, ein ganzes Systemin dem Kopfe zusammen finden sollte. Ein System der Empfindungenaber, wird denjenigen gewiß eine sehr angenehme Neuigkeit seyn, wel-chen eS nicht ganz unbekannt ist, wie finster und leer es in diesemFelde der Psychologie, der Bemühungen einiger neuen Schriftstellervhngcachtet, noch bisher gewesen. Man hat es ohngcfchr gewußt, daßalle angenehme und unangenehme Empfindungen aus dunkeln Begrif-fen entstehen; aber warum sie nur aus diesen entstehen, davon hatman nirgends den Grund angegeben. Wolf selbst weis weiter nichtszu sagen, als dieses: weil sie keine deutliche Begriffe voraussetzen. Manhat es ohugcfehr gewußt, daß sich alles Vergnügen auf die Vorstellungeiner Vollkommenheit gründe; man hat es ohngcfchr gewußt, daß Voll-kommenheit die Uebereinstimmung des Mannigfaltigen sey: allein man hatdiese Uebereinstimmung mit der Einheit im Mannigfaltigen verwechselt;man hat Schönheit und Vollkommenheit vermengt, und die Leichtigkeit,womit wir uns das Mannigfaltige in jenem vorstellen, auch bis aufdie sinnlichen Lüste ausdehnen wollen. Alles dieses aber setzt unserVerfasser auf das deutlichste auseinander. Er zeigt, daß das Vergnü-gen, welches ans der Schönheit entspringet, auf der Einschränkungunsrer Seclcnkräfte beruhe, und also Gott nicht beygelegt werden kön-nen; daß ihm aber dasjenige, welches aus der Vollkommenheit entstehet,und sich bey uns auf die positive Kraft unsrer Seele gründet, imhöchsten Grade zukomme. Von den sinnlichen Lüsten beweiset er, daßsie der Seele eine dunkle Vorstellung von der Vollkommenheit des Kör-pers gewähren; und da in der organischen Natur alle Begebenheiten,