Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 17ZA.
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noch schlechter, und des Guten kann nie zuviel seyn. Eben dieses wirdauch bey den Briefen gelten, deren wenigstens siebenerlcy in dem jctzi-gen Meßcatalogo zu finden sind. Doch auch alSdcnn noch, wenn schondie meisten von ihnen nicht die beste» seyn sollten, wird man nochUrsache haben, gütig von ihnen zu urtheilen. Denn sind sie nicht we-nigstens Beweise, daß die Bemühung, gute Briefe zu schreiben, allge-meiner wird?--Die gegenwärtige Briefe an Freunde sind et-was mehr als dergleichen Beweise, und der größte Theil derselbenkann als gluckliche Muster angepriesen werden, bis wir noch glücklicherebekommen werden. Sie empfehlen sich durch eine reine und simpleSchreibart, und durch feine und natürliche Wendungen. Wenn dieungenannten Freunde des Verfassers der Welt durch etwas anders be-kannt würden, als dadurch daß sie seine Freunde sind; wenn es Per-sonen wären, von welchen man auch Kleinigkeiten zu wissen begierigist, so würde» die Briefe selbst dabey unendlich gewinnen. DiesenVorzug haben zum Exempel die Briefe der Sevigne, die man ganzgewiß mit ungleich wenigern Vergnügen lesen würde, wenn ihre Cor-respoudenten nicht die feinsten und angesehensten Personen eines blü-henden Hofes gewesen wären. Kostet in den Vossische» Buchlädenhier und in Potsdam 8 Gr.
(14. Oct.) Ankündigung einer Dunciade für die Deutschen-Nebst dem verbesserten Hermann. Se?'o/a/intt-i I^,,Z>es. Frank-furt und Leipzig 1735. In 8vo. auf 6^ Bogen. Die Welt scheintzu verlangen, daß die Streitigkeiten im Reiche des Witzes nur immermit den Waffen der lachenden Satyre geführct würden. Wenn siees aber mehr als einmal geduldet hat, daß man sich auch der schimpf-lichen Waffen der Schmähsucht und Possenreisscrey dabey bedienendürfen; so wird sie es hoffentlich nicht übel deuten, wenn sie »liiimehreinen Patrioten zu schärfer» greifen siehet, die der Ernst eben so weitüber die Satyre erhebt, als die Niederträchtigkeit jene unter die Sa-tyre erniedriget hatte. Und aus diesem Grunde versprechen wir dergegenwärtigen Ankündigung einer Dunciade für die Deutschen am Ende,wenn man alle Umstände wird überlegt haben, eine gütigere Aufnahme,als sie einigen zu sehr nachsehenden Weisen, wegen der durchgchendsdarum herrschenden Strenge, bey dem ersten Anblicke verdient zu ha-ben scheinen mochte. Es ist wahr; „die Erscheinung, wie unser Ver-fasser sagt, ist unglaublich, daß eine ganze Nation, in deren Schooß
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