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Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 17ZZ.
dem Zuschauer zu stehen, und wenn sie ihm auch nach dem innerlichen Werthe vorzuziehen seyn sollte, so hat man es wohl dem RichardSteele am wenigsten zu danken. Er bediente sich der Beyträge der sinn-reichsten Kopfe seiner Zeit und besonders des Hrn. Ambrosius Philipps/so daß der Vorwurf, den man ihm machte, als ob er sich meistenthcilSnur mit fremden Federn schmücke, so ungcgriiiidet eben nicht war. Dochwas verschlagt der Welt dieses jetzt? Genug sie hat ein schönes Werk,und es kann ihr gleich viel seyn, ob sie es von dem Richard Steele selbst, oder nur durch seine Vermittlung erhalten hat. Die gegenwär-tige deutsche Ucbersctzung ist nach der neuesten englischen Ausgabe ver-anstaltet, die 1749 in vier Dnodczbänden unter dem Titel lliel^ien-Iiratious ok Ilsao LiokerÜal? herausgekommen ist. Man weis diekleinen Händel, welche dem Herrn Steele zur Annehmung des NamensBickerstaf veranlaßt haben. Zwey von diesen Duodezbändcn machendiesen ersten Band aus, und der zweyte soll künftige Ostern nachfol-gen. Die Uebcrsetzung selbst scheinet von einem Manne gemacht znseyn, der beyder Sprachen kundig ist, und ob sie gleich gewisse Schön-heilen, wo der Witz entweder in einer unübersetzlichen Anspielung oderin einem eigenthümlichen Ausdrucke der englischen Sprache liegt, weni-ger als das Original hat, so ist es doch augenscheinlich, daß sie weittreuer gerathen sey, als die französische Uebcrsetzung des Herrn laChapelle, die nicht weiter als auf die ersten sechzig Stücke geht. Dasie aber dem ohngcachtet durch die hinzugefügten Noten einen beson-dern Werth erhallen, so muß man dem deutschen Ucbcrsetzer verbundenseyn, daß er sich dieselben, zur Bequemlichkeit seiner Leser, zugeignethat. Kostet in den Vossischen Buchlädcn hier und in Potsdam1 Rthlr. 8 Gr.
(11. Oct.) Briefe an Freunde. /Ä/ei-a no» e^Se/cii. <?«c.Danzig bey G. Ch. Schuster. 20 Bogen. In 8vo. Wir habenzwar, seit einiger Zeit, verschiedene gute Muster des epistolarischcn Stylserhalten; doch sind derselben noch lange nicht so viele, daß man überdie Vermehrung derselben ungehalten werden dürfte. Die Klagen sindüberhaupt thörigt, die man über den AnwachS dieser oder jener Artvon Schriften führet. Man sage nicht: schon wieder anakrcontischcLieder! schon wieder Predigten! Sondern wenn man ja etwas sagenwill, so sage man- schon wieder schlechte anakreontische Lieder! schonwieder schlechte Predigten! Nur das Schlechte wird durch die Menge