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Vorrede zu Jacob Thomsons Trauerspielen.
1760.
Das Vergnügen, diese Ucbcrsctzung der TbomsonscbenTrauerspiele der Welt, als Vorredner, anpreisen zu können,habe ich dem gütigen Zutrauen eines Freundes zu danken.
Es wäre zu früh, wenn ich mich schon selbst ausschreibenwollte, und bey dieser Gelegenheit, anderwärts^ zusammengetra-gene Nachrichten von dem Leben und den Werken dieses englischenDichters, nochmals an den Mann zu bringen suchte. Es wäreaber auch wider die Klugheit eines eben nicht zu reichen Schrift-stellers, wenn ich mir hier eine Materie wegnehmen, oder we-nigstens verstümmeln wollte, die ich, nach aller möglichen Aus-dehnung, zu einer Fortsetzung jener Nachrichten bestimmt habe.
Man erwarte also hier keine kritische Zerglicdrung irgendeines von diesen Meisterstücken. Nur das außerordentliche Ver-gnügen, mit welchem ich sie gelesen habe, und noch oft lesenwerde, will und kann ich nicht verschweigen. Mäßigung genug,wenn es mich nicht schwatzhaft macht!
Auch die, unter den deutschen Kennern der ächten Dichtkunst,welche unsern Thomson in seiner Sprache nicht verstehen, wis-sen es schon aus der wohlgemeinten Uebersetzung des sel.Zörockes, daß kein Weltaltcr in keinem Lande, einen mehr mah-lerischen Dichter auszuweisen habe, als ihn. Die ganze sichtbareNatur ist sein Gemählde, in welchem man alle hcutcrc, fröh-liche, ernste und schreckliche Scenen des veränderlichen Jahres,eine aus der andern entstehen, und in die andre zerfließen sieht.
Nun ist aber das wahre poetische Genie sich überall ähnlich.Ein Sturm ist ihm ein Sturm; er mag in der großen, oderkleinen Welt entstehen; es mag ihn dort das aufgchabencGleichgewicht der Lust, oder hier die gestörte Harmonie derLeidenschaften verursachen. Vermittelst einerley scharfen Auf-merksamkeit, vermittelst einerley feurigen Einbildungskraft, wird
fortsetzen möge, die so viel zur Aufnahme des Geschmacks beytragen muß.Wir wünschen dieses um so viel mehr, da ihm die jetzige Veränderungseines Aufenthalts vielleicht Hindernisse in den Weg legen könnte ic."° In dem Istcn Stucke der theatralische» Bil'lioth.