Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
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Norbcricht zu Eleims Grenadierliedern.

lind schimmern scheint er, weder als Dichter noch als Soldatzu wollen.

Sein Flug aber hält nie einerley Höhe. Eben der Adler,der vor in die Sonne sah, läßt sich nun tief herab, auf derErde sein Futter zu suchen; und das ohne Beschädigung seinerWürde. Antäus, um neue Kräfte zu sammeln, mußte mitdem Fusse den Boden berühren können.

Sein Ton überhaupt, ist ernsthaft. Nur da blieb er nichternsthaft wo es niemand bleiben kann. Denn was erwecktdas Lachen unfehlbarer, als grosse mächtige Anstalten mit einerkleinen, kleinen Wirkung? Ich rede von den drolligtcn Ge-mählden des Roßbachischen Liedes.

Seine Sprache ist älter, als die Sprache der jctztlebendcngrössern Welt und ihrer Schriftsteller. Denn der Landmann,der Bürger, der Soldat und alle die niedrigern Stände, diewir das Volk nennen, bleiben in den Feinheiten der Rede im-mer, wenigstens ein halb Jahrhundert, zurück.

Auch seine Art zu reimen, und jede Zeile mit einer männ-lichen Sylbe zu schlicssen, ist alt. Zn seinen Liedern aber er-hält sie noch diesen Borzug, daß man in dem durchgängigmännlichen Reime, etwas dem kurzen Absetzen der kriegerischenTrommete ähnliches zu hören glaubet.

Nach diesen Eigenschaften also, wenn ich unsern Grenadierja mit Dichtern aus dem Alterthume vergleichen sollte, so müß-ten es unsere Daröen seyn.

Vos huo^uo, hui kortos arimiss dolloyuo pvromtasI^auclibus m louZum vatos climlttitis aovum,pluriwa toeuri suäittis carmma Larcli.^Carl der grosse hatte ihre Lieder, so viel cs damals nochmöglich war, gesammelt, und sie waren die unschätzbarste Zierdeseines Büchcrsaals. Aber woran dachte dieser grosse Befördererder Gelehrsamkeit, als er alle seine Bücher, und also auch dieseLieder, nach seinem Tode an den Mcistbicthcndcn zu verkaufenbefahl? Konnte ein römischer Kayscr der Armuth kein ander

° Lucanus .