Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
126
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t> Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(21) Ein gnadscligcr Diener.

Fürsten werfen oft ans Einen alle Sach nnd alle Gunst;Fehlt nun der, so sind verloren alle Mittel, alle Kunst.Alles kann verrathen Einer, Einer taun nicht allem rathen;Gut ist, was viel Augen lol'tcn, leicht ist, was viel Hände tl'atcn,

(22) An den wohlthatigen Gott.

O Gott, wo nehm ich Dank, der ich so viel genommenBon Wohlthat, die mir ist zu Hause häufig kommenDurch deine Gniigkctt? Thust du nicht noch mebr Wohl.So weiß ich keinen Rath, wie ich recht danken soll.

(23) Heutige Wcltknnst.

Anders sevn, und anders scheinen;Anders reden, anders mcvncn;Alles loben, alles tragen;Allen heucheln, stets behagen;Allem Winde Segel geben;Bösen, Guten dienstbar leben;Alles Thun und alles DichtenBloß auf eignen Nutzen richten:Wer sich dessen will befleißen,Kann politisch Heuer heißen.

(24) Das Beste in der Welt.

Das Beste, was ein Mensch in dieser Welt erstrebet,Ist, daß er endlich stirbt, und daß man ihn begrabet.Die Welt scv, wie sie will; sie bab auch, was sie will:War Sterben nicht dabev, so gälte sie nicht viel.

(26) Auferstehung der Todten.

Wer nicht glaubt das Aufersteh», dem ist ferner wohl erlaubt,Daß er glaube, was er will, wenn er anch gleich gar nichts glaubt.

(26) Grabschrift der Frömmigkeit.

Frommes liegt ins Grabes Nacht;Böses hat es umgebracht.Frevel erbte seine Habe,Tanzt dafür ihm auf dem Grabe.