Zweytes Buch.
129
(41) Der Tugend Lohn.
Durch Ehr und reichen Lohn kann Tapferkeit erwachen;Doch Ehr und reicher Lohn kann Tapferkeit nicht machen.
(42) Die beste Arzeney.
Freude, Mäßigkeit und RuhSchleußt dem Arzt die Thüre zu.
(43) Auf den Veit.
Veit hat ein wohlbcrathncs Haus, und in dem Hause siehet man
In großer Meng ein jedes Ding, was man — im Finstern sehen kann.
(44) Die menschliche Unbeständigkeit.
Sein' Eigenschaft und Art bekam ein jedes Thier,
Und wie sie einmal war, so bleibt sie für und für.
Der Löwe bleibt beherzt; der Hase bleibet scheu;
Der Fuchs bleibt immer schlau; der Hund bleibt immer treu:
Der Mensch nur wandelt sich, pcrmummt sich immerdar»
Ist diese Stunde nicht der, der er jene war.
Was dient ihm denn Vernunft? Sie hilft ihm fast allein,
Daß er kann mit Vernunft recht unpcrnüiiflig sevu.
(45) Der Aerzte Glück.
Ein Arzt ist gar ei» glücklich Mann:Was er bewehrtes wo gethan,Zeigt der Ecnestc jedem an:Sein Irrthum wird nicht viel erzählet;Denn bat er irgendwo gcfchlet,So wirds in Erde tief verhehlet.
(46) Ueber den Tod eines lieben Freundes.
Mein ander Ich ist todt! O ich, sein ander Er,Ich wünschte, daß ich Er, er aber Ich noch wär,
(47) Geld.
Wozu ist Geld doch gut?Wers nicht hat, hat nicht Muth;Wcrs hat, hat Sorglichkcit;Wers hat gehabt, hat Leid.«cftmgS Werke v. g