Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134 Friedrichs von Logau Sinngedichte.

Daß keine Scheu sein Sohn und kein Gewissen hat,So ist schon alles gut, so wird zu allem Rath.

(76) Von der deutschen Poesie.

Was ist ein deutscher Reim? Deutsch kann ja jedermann.Drum ist mir lieb, daß ich auch kann, was jeder kann.

(77) Klugheit und Thorheit.

Jeder hat zu Hausgenossen, zwey sich gar nicht gleiche Gäste:Einen Doctor, einen Narren; Diese speiset er aufs beste.Braucht er mm nicht gute Borsicht, hält er nicht den Narren ein,Wird er öfter als der Doctor an der Thür und Fenster sehn.

(78) Fleiß bringt Schweiß, Schweiß bringt Preis.

Jedermann hat gerne Preis;Niemand macht ihm gerne Schweiß.Wer der Arbeit Mark will nießcn,Muß ihr Bein zu brechen wissen.

(79) Geschminkte Freundschaft.

Hände küssen, Hüte rücken,Kniee beugen, Häupter bücken,Worte färben, Rede schmücken,Mevnst du, daß dieß Gaukelet),Oder ächte Freundschaft sey?

(80) Lachende Erben.

Die Römer brauchten Weiber, die weinetcn für Geld.Obs nicht mit manchem Erben sich eben so verhält?

(81) Eold und Luft.

Der Mensch liebt Gold so sehr,Und darf der Luft doch mehr.Ein Dieb, der dieß bedenkt,Wird selten aufgchcnkt.

(82) Auf den Crassus.

Crassus hat gar bösen Ruf: aus dem bösen Ruf zu kommen,Hat er ärgers Bubenstück, als das erste, vorgenommen.