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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
Drittes Buch.
(1) .Von meinen Lesern.
So mirs gehet, wie ich will,Wunsch ich Leser nicht zn viel:Den» viel Leser sind viel Richter,Vielen aber taugt kein Dichter.
(2) Gott und Krieg.
Was nicht ist, dem ruft Gott znm Seyn und zum Besteh»;Was ist, dem rnst der Krieg zum Nichlscv», zum Vergeh».
(3) Sparsamkeit.
Wenn die Jugend eigen wüßte,Was das Alter haben mußte;Sparte sie die meiste» Lüste.
(4) Der Tod.
Ich fürchte nicht den Tod, der mich zu nehmen kömmt;Ich fürchte mehr den Tod, der mir die Meinen nimmt.
(o) Auf den Celer.
Cclcr lief jüngst aus der Schlacht,Denn es kam ihm schnell zu Sinne,Daß er, würd er umgebracht,Nachmals nicht mehr fechten könne.
(6) Wassersucht.
Wassersucht ist schwer zu heilen. Manchmal kömmt sie Imigscrn an;Diese trägt man auf den Armen, bis sie selber laufen kann.
(7) Mittel zum Reichthum.
Wer reich zu werden sucht, muß Zeit und Ort betrachten,Und lerne» Geld n»d Gut bald viel, bald wenig achten.
(8) Verleumder.
Ich kenn ein höllisch Volk, die Brüder der Erimicn,Ein Volk von süßer Jung und von vergifte» Sinnen,Das zwischen Mund und Herz, das zwischen Wort und ThalSolch eine» enge» Raum, wie Ost von Westen, hat.