Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
140
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(30) AnM der Freunde.

Wer viel Freunde rühmt z» haben, muß gar wenig Sinnen zähle»!Eine» Freund zu finden, Pflegen alle Sinnen oft zu fehlen.

(31) Auf die Elsa.

Dick und jenes schneidt man auf von der Hochzeit ersten Nacht,Mich, sagt Elsa, schreckt es nicht, werde brünstig nur gemacht,Unter Augen dem zu gehn, was zuletzt mir kommen soll;Wer, was ihm verordnet ist, fliehen will, der thut nicht wohl.

(32) Lügen und Lügen sagen.

Ein Frommer hütet sich, daß er nicht leichtlich luge;Ein Weiser, daß er sich mit Lügen nicht bctricgc.

(33) Des Mars Treue.

Niemand wag es, und verneine,

Daß es Mars nicht treulich mcvne,

Weil er niemals Winters halben

Weichet, wie die falschen Schwalben,

Sondern bleibt auf unsrer Erde,

Weil noch währt, Geld, Brodt, Küh, Pferde.

(34) Thätigkeit.

Wer nimmer nichts versucht, der weiß nicht, was er kann.Die Uebung wirkt uns aus; Versuch der führt uns an.

(35) Frommer Herr, schlimme Diener.

Ist gleich ein Herr gerecht,Ist aber arg sein Knecht;So wird der Herr doch ungerecht,Dieweil er hägt den arge» Knecht.

(36) Lobsprecher.

Meistens lobt man alle Fürsten , wie sie leben, weil sie leben.Sind es dann nicht Hcuchclepen? Nein, es ist gar recht und eben,Daß man ihre Laster theils nicht verhaßter etwa» macht,Daß man sie erinnert theils wo sie sonst nicht drauf gedacht.Auf die Weise kann man Pillen, die sonst allzubittcr schmecken,Schcinlich machen und vergolden, und die Pflicht ins Lob verstecke».