Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
146
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(72) Wer Nützliches mit Lustigem vermengt, der triffts.

Wer Nutz und wer Ergctz recht scheidet und recht mcugt,Verdienet, daß man ihn mit Lob und Ruhm beschenkt.Lobt Passcrillcn, lobt! Zum Nutz ist ihr der Mann,Der Nachbar zum Ergctz, und wer nur immer kann.

(73) Wein.

Willst du eine Lust dir kaufe«, kauf ein Faß voll guten Wein,Bitt ein Dutzend gute Brüder: Ach, was werden Narren seyn!

(74) Fürsprecher.

Männer, die durch Reden reichWerden, sind den Vögeln gleich;Tragen sich zu ihrer RuhEin Gcbäud im Munde zu.

(76) Freundschaft.

Wo Nutz sich nicht erzeigt, wo kein Gewinn sich weist,Ist Freundschaft nicht daheim, ist über Land gereist.

(7K) Eine ausgeübte Sache.

Bon Sachen, die nicht vor sind wo schon ausgeübet,Nimmt keine Simon an, wie viel man ihm gleich gicbet.Mich dünkt, (es ist nicht weit, bis daß er Hochzeit mache,)Die Braut die bring ihm auch ein' ausgeübte Sache.

(77) Höflichkeit.

Was Höflichkeit versprochen,Darauf ist nicht zu pochen;Sie machet keine Pflicht;Ihr Band das bindet nicht.

(78) Schonheil.

Schönheit ist ei» Bogclleim, jeder hänget gerne dran,

Wer nur slcugct, wer nur schleicht, wer nur manchmal kriechen kann.

(79) Der Mittelstand.

Wer ruhig sitzen will, der sitze nicht beym Giebel;Wo Schwindel folgt und Fall, daselbstcn sitzt sichs übel.