Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
150
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lg» Friedrichs von Lcg.ru Sinngedichte.

(6) Trinkkunst.

Wer einen guten Trunk vermag, hat der denn einen Ruhm?Ja, wenn er trinkt, daß doch Vernunft behält das Meisterthum,Bey Hofe nützt ein solcher Kopf, der also trinken kann,Daß er entdeckt, sich selbstcn nicht, vielmehr den fremden Mann.

(7) Die Well und der Kasten Roah.

Des Noah Wundcrschiff' ist ähnlich unsre Welt,Weil sie mehr wilde Thier als Menschen in sich hält.

(8) Jungfernthrcincn.

Ein Wasser ist mir kund, das den, der drein nur blickt,Mehr als der stärkste Wein in Unvernunft verzückt:Der Liebste» Thränen sinds, die oft den klügsten MannBclhörc», daß er Schwarz von Weiß nicht sondern kann.

(9) Hofhunde.

Heuchler und Hunde belecken die Teller;Jene sind Schmeichler und diese sind Bcller;Diese bewahren, bey denen sie zehren;Jene verzehren die, welche sie nähren.

(10) Das Schwerer.

Ohn Ursach sollen wir nie zucken unsern Degen,Ohn Ehre sollen wir ihn drauf nie niederlegen.

(11) Auf den Scävus.

Scävus wird mit Ewigkeit immer in die Wette leben:Tugend wird das Alter nicht, Bosheit wird ihm solches geben.

(12) Rechtscrlernung.

Wenn einer will das Recht studiren,Muß er fünf Jahre dran verlieren:Das Recht, das Krieg itzt eingeführet,Wird in fünf Tagen ausstudirct.

(13) Auf einen Hörnerträger.

Der Lieb ist nichts zu schwer, pflegt Cornigcr zu sagen:Drum ist ihm auch nicht schwer ans Liebe Horner tragen.