Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
154
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(36) Die schamhaftige Feil.

Sie sey sonst wie sie will die Zeit/So liebt sie doch Bcrschämlichkeit:Sie kann die Wahrheit nackt nicht leiden,Drum ist sie ämsig, sie zu kleiden.

(37) Auf den Brennus.

Brennus dienet keinem Herrn, hat ihm sclbstcn zu befehlen;Und man will ihm seinen Herrn dennoch zu den Narren zählen.

(38) Weib-rhüter.

Ohne Noth wird die bewacht,Die auf Unzucht nie gedacht.Nur vergebens wird bewacht,Die ans Unzucht hat gedacht.

(39) Aerzte und Poeten.

Dich, Apollo, ruft der Arzt, dich, Apollo, ruft der Dichter;Wem du vor erscheinen sollst, darf es einen rechten Richter.O der Arzt ist auch ein Dichter, macht die Krankheit oftmals arg,Daß der Kranke, der genesen, sey zum Schenken minder karg.Was er gröblich oft versah, that allein der Krankheit Stärke,Wo er aber gar nichts half, that er wahre Wunderwerke.Hat, Apollo, dieser Dichter dich gerufen, komme bald.Jener hat nichts zu versäumen, Krankheit aber braucht Gewalt.

(40) Auf den Varill.

In Klugheit ist er Narr, in Narrhcit ist er klug:Ein Kluger und ein Narr hat am Varill genug.

(41) Die Lügen.

Daß mehr als HurcrevDas Lügen Sünde sey,Ist wahr; denn dieses fuhrStets wider die Natur,Und das pflegt insgemeinNaturgemäß zu sevn.