Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
176
Einzelbild herunterladen
 

I7i> Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(89) Wein.

Der Wein ist unser noch, wann ihn das Faß beschleußt;Sein aber sind wir dann, wann ihn der Mnnd gencußt.

(90) Auf den Phanus.

Phanus will mit Christus ärmlich in der Krivv im Stalle liegen,Wollte nur ein Stern erscheinen, der es also könnte fügen,Daß die Weisen zu ihm kämen, legten ihre Schätze aus,Und von Ochsen immer wäre und von Eseln voll sein Haus.

(91) Lügen.

Willst du lugen, lcug von Fern;Wer zeucht hin und fraget gern?

(92) Ein jedes Werk fordert einen ganzen Menschen.

Wer irgend was beginnt und täglich will beginnen,

Der bleibe ganz dabey mit Leib und anch mit Sinnen.

Im Kriege kann man dieß: man wagt Fleiß, Schweiß, Rath, That,

Man waget Sccl und Leib zu stehlen was man hat.

(93) Auf den Cornutus.

Cornutus und sein Freund bcstehn auf Einem Willen:Wer sagt denn, daß sie nicht der Freundschaft Pflicht erfüllen?Ob jener liebt sein Weib, liebt dieser die nicht minder,Ob jener etwa» denkt, denkt dieser auch auf Kinder.

(94) An den Naso.

Naso, dir ist deine Nase statt der Sonnenuhr bereit,

Wann der Schatten weist gerade auf das Maul, ists Essenszeit.

(96) Auf den Thraso.

Thraso wagt sich in den Krieg:Seine Mutter will nicht weinen;Denn mit seinen schnelle» BeinenStund ihm zn manch schöner Sieg.

(96) Schönheit.

Tran der Farbe nicht zu viel! Was Natur so schön gebildt,Drunter hat sich Geilheit, Stolz, Thorheit, Faulheit oft verhüllt.