Fünftes Buch.
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Ein Fürst ist zwar ein Herr; doch herrscht er fromm und recht,
So ist er seinem Kolk als wie ein treuer Knecht.
Er wacht, damit sein Volk fein sicher schlafen kann.
Er stellt sich vor den Riß, nimmt allen Anlauf an,
Ist Nagel an der Wand, daran ein jeder henkt
Was ihn beschwert und druckt, was peinigt und was krankt.
An Ehren ist er Herr, an Treuen ist er Knecht.
Ein Herr dcrs anders meynt, der mevnt es schwerlich recht.
(98) Wollust.
Wer der Wollust sich verleihet, wird er nicht ums Hauvtgut kommen,Hat er Krankheit doch am Ende statt der Zinsen eingenommen.
(99) Gewissen.
Was niemand wissen soll, soll nicmand auch begehen.Ein jeder muß ihm selbst statt tausend Zeugen stehen.
(100) Poetcrey.
Es bringt Poctercv zwar nicht viel Brodr ins Haus;Was aber drinnen ist, wirft sie auch nicht hinaus.
(101) Eifrige Geistliche.
Wie ein Sttomamüsch Kaiser wollen Geistliche regieren,Der, den Zepter ihm zu sichern, läßt die Brüder strangulirm;Also sie in Elaubcnssachcu, wolle» herrschen, und die BrüderLieber von dem Brodtc räumen, wenn sie ihrem Wahn zuwider.
(102) Acgyptischc Dicnstbaricit.
Jakobs Stamm klagt alter Zeit
Ueber schwere Dicnstbarkeit,
Steht es da denn so gar übel,
Wo man Fleisch hat, Knoblauch, Zwiebel?
Unsre Leut in dieser Zeit
Hielten es für Herrlichkeit.
(103) Geizige Huren.
Wer Hund' und Huren will zu Freunden haben,Der muß sich rüste» mit Geschenk und Gaben.Lcssmgs Werke v, 12