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Friedrichs von Logau Sinngedichte'.
(104) Tischfrcundschaft.
Vcrmcvnst du wohl, daß der ein treues Herze scv,Den dir zum Freunde macht dein' öftre Gasterev?Dein' Austern liebt er nur, dein Wildbret, deinen Fisch;Auch mein Freund würd er bald, besaß ich deinen Tisch.
(105) Auf den Veit.
Fünf Sinnen hat zwar Veit, doch sind ihm dreh entlaufen;Zwey suchen dreh: was gilts? er bringt sie nicht zu Haufen.
(106) Eigenlob.
Doppeller, nicht cinzler MundZeugt und macht die Wahrheit kund;Drum gilt der nicht allzuviel,Der sich selbst nur loben will.
(107) Regierungsknnst oder Weltkunst.
Die Wcllknnst ist ein Meer: es sey Port oder Höhe,Es ist kein Ort, wo nicht ein Fahrzeug untergehe.Der eine segelt fort, wo jener fährt in Sand;Wer fremd ist irret hier, hier irret wer bekannt.
(108) Auf den Schmecke!.
Schmecket konnte wohl sein LaufenGroßen Herren hoch verkaufen,Könnte sich sein Fuß so regen,Wie sein Zahn sich kann bewegen.
(109) Geizhals.
Den Geizhals und ein fettes SchweinSieht man im Tod erst nützlich sevn.
(110) Auf den unbeständigen Volvulus.
Für dein Herz und für den Mond, Volvulus, dient gar kein Kleid;Beides bleibt nie, wie es war, wandelt sich zu aller Zeit.
(111) Nachfolge.
Ob zwar Maler ihre Farben bey dem Krämer nehme»,Dürfen sie sich ihrer Bilder darum doch nicht schämen.