Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

Sechstes Buch.

179

Wer von andern was gelernt, bring, cs steht ihm frey,Doch mit andrer Weist und Art, solches andern bey.

(112) Von meinem Buche.

Ist in meinem Buche was, das mir gaben andre Leute,Ist das meiste doch wohl Mein, und nicht alles fremde Beute.Jedem, der das Seine kennet, geb ich willig Seines hin.Weiß wohl, daß ich über manches dennoch Eigner bleib und bin.Zwar ich geb auch gerne zu, daß das Meine Böses heisst;Ear genug, wenn fremdes Gut recht zu brauchen ich mich steifst.

Sechstes Buch.

(1) Kurzweilen.

Andre mögen Gläser stürzen; andre mögen Hund' anbeten;Andre mögen »aschig geilen, da bey Grclhcn, dort bey Käthen ;Mögen Glück auf Blätter bauen, mögen stündlich Kleider wandeln,Mögen bey der Sonncnthurc Stein, Bein, Glas und Fäden handeln.Mögen sich leibeigen geben ihrer Lüste tollen Grillen:Meine Lust soll immer bleiben mich mit Dichtcrey zu stillen.

(2) Jahreszeiten.

Im Lenzen prangt die Welt mit zarter Jungferschaft;Im Sommer ist sie Frau, mit Schwangcrscyn verhaft;Wird Mutter in dem Herbst, giebt reiche Frucht heraus;Ist gute Wirthinn, hält, im Winter, sparsam Haus.

(3) Von der MM.

Eines Morgens schaut ich gehenPhyllis vor den Rosenstrauch,Da sie, nach gewohntem Brauch,Seine Zierden sahe stehen.Damals konnt ich nicht vergleichenWelches unter ihnen wohl,Weil sie bcid' an Schönheit voll,Bon dem Siege sollte weichen.Ob die Phyllis angenommenBon den Rosen ihre Zier,Oder ob vielleicht von ihrSolche solchen Schein bekommen,

12*