Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182

Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(16) Schädliche Licbc.

Lieben läßt nicht lange leben,Lange leben läßt nicht lieben.Wer dem Leben ist ergeben,Muß das Lieben sparsam üben.Wem das Licbc» will behagen,Muß dcs Lebens sich entsagen.

(16) Vergängliche Gesellschaft.

Ei» guter Freund, ein rcincr Wcin, und auch cin klarcs Glas

Dic warm neulich um mich her, wie lustig war mir das!

Hör aber was darauf geschieht: das klare Glas zerbricht,

Der reine Wcin vcrraucht, dcr Freund fällt schmerzlich in dic Gicht.

(17) An einen Bräutigam.

Wcnn^du dic Braut ins Bette rufst, so wehrt sie sich beym Bitten;Nicht bitte! denn sie hat schon selbst viel vom Verzug erlitten.

(18) Auf die Floja.

Floja wär cin schönes Weib, konnte Floja sich nur schämen;Denn sie würde von dcr Scham eine schone Nöthe nehmen.

(19) Der Frühling.

Da der Himmel gütig lachet,Da die Erd ihr Brautkleid machet.Da sich Feld und Wiese malen,Da der Bäume Häupter stralcn,Da die Brunncn Silbcr gicßcn,Da mit Funkclu Bächc fließcn,Da die Vögel Lieder singen,Und die Fische Sprünge springen,Da vor Freuden alles wiebelt,Da mit Gleichem Gleiches liebelt:O so muß vor trübem KränkenBloß dcr Mensch dic Stirne senken,Weil bcv solchen FrühlingslüstcnMars crncucrt sein Verwüsten,Mars , dcr dieß für Lust erkennet,Wenn er raubet, schändet, brennet.