Sechstes Buch.
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(20) Wunsch an eine Tanic.
Gott geb dir alles Gute, und mich dir noch dazu:Dann liab ich alles wieder, und habe mehr als du.
(2l) Küsse.
Amor saß jüngsthin betrübet,Weil sein Bogen mißgcübet,So doch selten sich begicbct.Sahe drauf zwey Mündlein ringe»,Hörte süße Küsse klingen:Da hub Amor an zu springen.
(22) Gewissen.
Wo du Lust zur Wollust fühlest, kannst du sie am besten büßen,
Wenn du dir ein Mädchen zulegst, ein schön Mädchen, — das Gewissen.
(23) Von der Aristea.
Aristca, du bist schön. Allen Leuten macht dich hold
Zier am Leibe, Zucht im Sinn, und im Beutel eignes Gold.
(24) An die Kunstgottinnen.
Ihr, ihr süßen Zuckcrniädchcn, ihr, ihr zarten Pindustöchtcr,Seid nicht wie die andern Jungfern, die da treiben ein Gelächter,Wenn ein haarbcrciftcr Buhlcr, wenn ein gichtgckränktcr FreyerIhnen anzcigt seine Flammen, ihnen anstimmt seine Lcvcr.Ihr, ihr Schönen, ihr, ihr Lieben, habet Lust an reise» Sinnen,Wollt am ersten die beglücken, wollt am liebsten liebgewinnen,Die durch vieler Jahre Wisse», die durch vieler Jahr ErfahrenInnerlich sich schö» nnd munter, sich am Geiste »eu bewahren.
(26) Ungleiche ehe.
Der junge Schnee der Haut kam zu dem Schnee der Haare,Auf daß »lit jenem der auf eine Zeit sich paare.Das Paaren gicng wohl an; doch ward man zeitig innen,Der Hantschncc der war Glut, der Haarschnec mußte riimc».
(26) An einen Freund.
Weil dn mich, Freund, beschenkst mit dir,So dank ich billig dir mit mir;