Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
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192
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(70) Küssen.

Wer küssen will, küß auf den Mund, das andre giebt nur bald Genießen.Ecsicklc nicht, nickt Hals, Hand, Brust; der Mund allein kann wieder küsse».

(71) An eine Fürstinn.

Die Well hat den Geruch, wir haben hier die Blum:

Das Land bat, Fürstinn, Euch; die Welt hat Euer» Richm.

(72) LustschmcrM.

Feuer glänzet, mehr als Gold;Doch verbrennt es scbr:Tlnit uns gleich die Wollust l'old,Doch verletzt sie mehr.

(73) Bon meinen Sinngedichten.

Was mein Sinn bisher gezeugt, und an Tag die Feder legte,

Steht dahin, ob mans verwarf, oder ob es jemand pflegte.

Taugt jemanden diese Zucht, kann sich noch Geschwister finden.

Daß sie werden schöner seyn, will ich mich doch nicht verbinden.

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Siebentes Buch.

(1) Von meinen Reimen.Meine Reime riechen nichtNoch nach Oclc, noch nach Wein:Beides kann gar schwerlich scvn;Jenes, wegen Amtcspflicht,Dieses, wegen schlimmer Gicht.

(2) Hcrrcngewisscn.

Ochsen spannt man nicht an Fäden, denn sie würden stracks zerrissen;So auch läßt sich schwerlich binden, wer Gewalt hat, ans Gewissen.

(3) Gerechtigkeit zum Saufen.

Stände soll man unterscheiden; saufen soll nicht jedermann.Bauern strafe man ums Saufen; Saufen steht den Edeln an.

(4) Heldentod.

Es ritten ihrer zwey nach Rossen,Darüber ward der ein' erschossen;