Sechstes Buch.
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Wenn ihm des Himmels Gunst die Augen würdig macht
Zu schauen diesen Glanz, zu merken diese Sonnen,
Wodurch der Menschheit Werth den höchsten Stand gewonnen,
Und so erleuchtet ist. Er ist nicht werth so gar,
Daß seine Mutter selbst je eine Jungfrau war,
Der sein' Gcberde nicht zur Ehrerbietung neiget,
Sein Haupt aufs tiefste bückt, den Fuß in Demuth beuget,
Und giebt sich pflichtbar hin für einen eignen Knecht,
Für ein so liebes Volk und himmlisches Geschlecht.
Jedoch merkt gleichwohl auch, ihr lieblichen Jungfrauen,Ich meyne die, wo mehr auf That als Wort zu baue»,Und, haltet mirs zu Gut, ich meyn auch meistens die,Wo Winter nicht verbeut, daß Frühling nicht mehr blüh.
(66) Von der Paulina.
Eines Tages sprach ein Buhlcr um die Gunst Paulincn an:Weil sie, sprach sie, meines Mannes, so befrage meinen Mann.
(67) Pocterey.
Wer durch Dichten Ruhm will haben, kann ihn nicßen:Wer durch Dichten Lust will haben, kann sie büßen:Wer da denket reich zu werden durch das Dichten,Der erdichtet was ibm kommet gar mit nichte».
(68) Ueber das Bildniß des nackten Cupido, welchen seine Mutter
züchtigt.
Was hat doch der liebliche Knabe verschuldet,Weßhalb er die Streiche der Mutter erduldet?Er hat sich gesäumt, daß dem EhrstandsordenChlorinde zu langsam ist einverleibt worden.
(69) Bon einer Fliege.
Eine Fliege war so kühn,Setzte sich vermessen hinAuf des süßen Mündlcins Roth;Chloris schlug, und schlug sie todt.Florus sprach: o wenn nur ichDürfte dieß erkühnen mich:Dieser Schlag, hielt ich dafür,Diente mehr, als schabte mir.