190 Friedrichs von Logan Sinngedichte.
Wenn ihm sein Ende selbst des LIebcns Ende giebt.Die Liebe war nicht stark, die sich verzehrt von Tage».Ich liebe weil ich bin. Die nickt melir ist, zu liebe»,Erfodcrt ihre Treu; ihr Werth ist ewig werth,Daß mehr als nur von ihr mein Mund kein Wort begehrt,Mein Sinn sonst keine Lust; hieran will ich mich üben.Geht dieses Lieben gleich bey andern bitter ein,Soll mir um Liebe doch lieb auch das Bittre seyn.
(6t) Von vier Hirtinneil.
Chloris, Doris, Iris, Ciris, liebten Einen Hirten alle;Ihm zu weisen mit dem Werke, daß er jeder wohlgefalle,Krönte Cliloris ihn mit Blumen; Doris bracht ihm Honigschnittc;Iris grüßet' ihn mit Lächeln; Ciris faßt' ihn in die Mitte,Küßte seinen Mundrubin. Ihm behagte nur das Küssen,Und er überließ der Ciris Krone, Honig, und das Grüßen.
(62) Vergnüglichkeir.
Wer ihm immer laßt begnügen,Den kann Gluck nie recht betriegcn;Alles falle, wie es will:Das Vergnügen ist sein Ziel.
(63) Ein geraubter Kuß.
Was mcynt ihr? Ei» gcstohlncr Kuß sey »linder ange»chme? —Der Kuß wird süßer, wenn man schaut, wie Sie so schön sich schämUnd was man leichtlich haben kann, ist selten gar bequeme.
(64) Zuchlhiiter.
Ein Hüter, der die Weiber vor Schand in Obsicht nalmi,War keiner nimmer treuer als tugendhafte Scham.
(66) Jungfrauen.
Ihr Jungfer» hört mir zu! doch fasset die Geberden,Und fangt durch meinen Ruhm nicht stolzer an zu werden.
Die Jungfern sind ein Volk, das unter uns gestelltAls Engel in der Zeit, als Wunder in der Welt.Ich wüßte nicht, wer der, und wannen er entsprossen,Und was für wilde Milch sein erster Mund genossen,Der hier nur ernsthaft sieht, der hier nicht fröhlich lacht,