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Sechstes Buch. 189
Wer da kann wie Tauben herzen,Wer da kann wie Spatzen scherzen,Wer wie Hahne buhlen kann,Ist für sie der rechte Mann,
(54) Wittwcntrost.
Meinen Mann hat Gott genommen, den er gab, wie ibm beliebt!Ey! ich will ihn wieder nehmen, wenn er mir noch Einen giebt.
(55) Die Liebe und der Tod.
Tod und Liebe wechseln öfters ihr Geschoß:Jenes geht auf Junge, dieß auf Alte los.
(56) Auf die Dubiosa.
Dubiosa gieng zur BeichtTraurig, und mit Recht vielleicht.Als der Pfarr fragt' obngcfehr,Ob sie eine Jungfer wär',Sprach sie: ja, ich armes Kind!Aber wie sie Heuer sind.
(57) Küssen.
Bienen küssen schone Blumen, und die Blumen bleiben schön:
Schone Jungfern, laßt euch küssen, Schönheit wird euch nicht »ergebn,
(58) Auf die Cerinua.
Cerinna ist so zart, so sauber, wie weißes Wachs gczicret. —
In dieses Wachs hat jungst ein Künstler ein schönes Kind bossiret.
(59) Die Liebe.
Nenne mir den weiten Mantcl, drunter alles sich verstecket. —Liebe ists, die alle Mängel gern vcrbüllt und fleißig decket.
(60) In der Person eines WittwcrS.
Bringt Lieben ctwan Lust, bringt Lust von Liebe sagen:Bringt beides dennoch mir nichts, als nur Bitterkeit.Was ander» Herzens Wonn, ist mir nur Herzens Leid?Denn meine Lieb ist längst ins Grab binein getragen.Wicwol'l wer recht geliebt, pflegt nichts darnach zu fragen.Er liebet fort und fort, und hat erst ausgclicbt