208
Friedrichs von Logau Sinngedichte.
Ließ sic suchen bey Gerichten,Fand sie aber da mit Nichten;Mußte hören, daß man sagte:Was das sey, wonach er fragte?
(12) Auf den Honoratus.
Lbs recht, obs ehrlich sey, was Honoratus thut,
Daran gedenkt er nicht. Ihm dünket alles gut,
Was gut zum Schmause» ist. Was soll man von il'm sagen?
Er hat das Recht im Maul, er hat die Ehr im Magen.
In deines Weibes Almanach steht, Stilpo, allewege:
Trüb, Ungestüm, Platzregen, Sturm, Wind, Hagel, Donnerschläge.
(14) ehcsiaiid.
Wer im Sommer Blumen sammelt, sammelt aber sonst nichts ein,
Ey wovon will der im Winter ruhig, satt und miithig seyn?
Wer beym Freyen bloß auf Zierden, Prangen, Stolz und Großthun denkt,
Was wird der für Tröstung finden, wenn ihn großer Unfall kränkt.
(1A) Hoffnung und Geduld.
Hoffnung ist ein fester StabUnd Geduld ein Rcisckleid,Da man mit durch Welt und GrabWandert in die Ewigkeit.
(16) Isis nicht gut, so wirds gut.
Böse Leute mögen trotzen, fromme Christen stille leben:Schafeswollc kömmt in Himmel, Wolfeslockm nur daneben.
(17) Das Mittel.
Wenn das Beste nicht zn haben, nehme man für gut das Gute;Auch für lieb, ists nicht ein tapfrer, dennoch mit dem frohen Muthe.Wem die Flügel nicht gewachsen, kann die Wolken nicht erreichen;Wem des Adlers Augen fehlen, muß der Sonne Stralcn weichen.
(18) Schein der Freyheit.
Die Freyheit ist ein Strick, womit man Freyheit fängt.Je mehr man sic bedrückt, je mclir man ihrer denkt.