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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
(Z7) Das Glück.
Unglück herrschet so die Welt, daß man auch sein Toben,Daß es noch nicht ärger ist, muß mit Danke loben.
(Z8) Vergessen.
Schweigen ist nicht jedem leicht. Doch ists leichter noch, verschweigenAls vergessen solche Dinge, die uns zu Gemüthe steigen.
(59) Auf die Eilvula.
Man vergleicht dich einer Lilge, Gilvula: Ich laß es seyn! —Nur die gelbe, nicht die weiße, bilde dir hierunter ein.
(6U) Ans die Ardella.
Alles was Ardella thut, thut sie, weil es Ruhm gewähret;
Doch je mehr sie Rühmens macht, desto mehr sie Ruhm cnlbchrcl.
(61) Nergnüglichkeit.
Seines Lebens und der Welt kann am besten der genießen,Der das Große dieser Welt nicht mag kennen, nicht mag wisse».
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(62) Sin Lobsprecher.
Wer andre loben will, muß selbsten löblich seyn,Sonst trifft das Loben leicht mit Schänden übcrcin.
(63) Amt einer Ehefrau.
Herrschen nicht, und auch nicht dienen, freundlich, hülflich, tröstlich sey»,Dieses ziemet sich den Weibern, ist ihr Amt und Ruhm allein.
(64) Bildnisse.
Große Herren geben Bildniß wohlgeprägt nach allem Leben,Wenn sie ihre Hofcmägde manchmal ihren Dienern geben.
(66) Auf die Anna.
Anna hat die Jungferschaft für den Ehestand erkiest,Weil sie keiner, auch geschenkt, anzunehmen Willens ist.
(66) Die deutsche Sprache.
Kann die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachenKann sie doch auch spielen, scherzen, liebeln, gütcin, kürmcln, lachen.