Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218

Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(93) Die Saat der Wahrheit.

Wer bey Hofe Wahrheit säet, erndtct meistens Misgunst ein:Wächst ihm etwas zu von Gnade, wirft der Schmeichler Feuer drei».

(94) Menschenliebe.

Gott sollst du mehr als dich, wie dich, den Nächsten lieben;Wenn Eine Liebe bleibt, so sind sie beide blieben:Denn Gott und Nächsten knüpft ein unauflöslich Band;Wer sich hier trennen will, der hat sich dort gctrannt.

(95) Die Begierden.

Solche Räthe, die sich kleiden in des Fürsten Kleid und Zierden,Leide» selten andre Rathe, Welche sind es? Die Begierden.

(96) Friede und Krieg.

Ein Krieg ist köstlich gut, der auf dcu Frieden dringt;Ein Fried ist schändlich arg, der neues Kriegen bringt.

(97) Hofrcgel.>'on mllil lit tervus meäicus, propkel», saeerlt»«.

Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß Trank und EssenSey nach Ordnung und Vermögen eingetheilt und abgemessen.Fürsten wollen keinen Diener, der da will zuvor verkünden,Was auf ihr verkehrtes Wesen für Verderben sich wird finden.Fürsten wollen keinen Diener, der da will, daß ihr Gewisse»Sich von allen Uebcllhalcn kehren soll zu ernstem Büße».

(98) Auf den Klepax.

Klepar, der so manches Thier in den Magen hat begraben,Hat nun auch ein warmes Grab inner einem frommen Raben.

(99) Doppelter Sainson.

Weil Onandcr Eselsbackc» eine» mehr als Samson trägt,

Hört man, daß zwev tausend Maden er bev Einem Käse schlägt.

(100) Der weichende Krieg.

Mars macht es gar zn arg, Mars tobt itzt gar zu sehr.Der Teufel, wenn er weicht, stinkt, sagt man, desto mehr.