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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
(26) Huren.
Wer sich selbsten liebt und acht, lasse Hurenlirbc fahren;Huren geben immerdar für gut Geld gar faule Waaren.
(27) Vernünftige Unvernunft.
Menschen sind Thiere, vernünftige Thiere;Aber nicht alle, so viel ich verspühre:Hohe sind Löwen, und wollen sich füllen,Machen Gesetze nach Kräften und Willen;Edle sind Hunde, verpflichtet den Lüsten;Krieger sind Wölfe, zum raube» und wüsten;Bürger sind Füchse, zum schmeicheln und schmiegen,Morcheln, berücken, finanzcu nnd lügen;Buhler sind Affen, zu tollen Gebcrden;Bauern sind Escl, zu lauter Beschwerden.
(28) Fürstenrcginicnt und Pöbclrcgiment.
Bch gutem Fürstenrcgimcnt ist mehr der Bürger frcv,
Als bey des leichten Pöbclvolks verwirrter Policcv,
Die stets nach blindem Willen geht, übt freche Tvrannev.
(29) Spielende Würde.
Mancher kann durch Fleiß und Schweiß dennoch nicht zn Ehren kommen;Mancher wird in Schimpf und Scherz auf die Obcrbank genommen.
(39) Eine Hure zum Weibe nehmen.
Vagus nimmt ihm itzt zu eigen, was vor sein und andrer war;Wer Gemeines Eigen machet stiftet Hader und Gefahr.
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(31) Tegcn und Feder.
Kühne Faust und blanker DegenKönnen Würd und Ruhm erregen;Ruhm und Würde muß sich legen,Stützet Feder nicht den Degen.
(32) Erfahrung.
Wer hinterm Ofen her will von der Kälte schliessen,Wer ans dem Keller will viel von der Hitze wissen,Wer eines Dinges Art nie recht erfahren hat,