Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
227
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Neuntes Buch.

227

(49) Das Hausleben.

Ist Glücke was und wo, so halt ich mir für Glücke,

Daß ich mein eigen bin; daß ich kein dienstbar Ohr

Um wegverkauftc Pflicht darf recken hoch empor

Und horchen auf Befehl. Daß mich der Neid berücke,

Deß bin ich sorgenlos; Die schmale Stürzcbrücke,

Worauf man zeugt nach Gunst, die bringt mir nicht Gefahr.

Ich stehe wo ich steh, und bleibe wo ich war.

Der Ehre schmilich Gift, des Hofes Meisterstücke

Was geben die mich an? Gut, daß mir das Vergnügen

Für große Würde gilt. Mir ist mebr saust und wohl,

Als dem der Wanst zerschwillt, dieweil er Hoffartvoll.

Wer sich nicht biegen, kann, bleibt, wann er fället, liegen.

Nach Purpur tracht ich nicht; ich nehme gern dafür,

Wenn ich Gott leben kann, dem Nächsten, und auch mir.

(60) Ein böses Weib.

Ei» böses Weib ist eine Waar, die sage» wird und sagte,Was für ein Narr der Käufer war, der sie zu nehmen wagte.

(51) Religion.

Was geht es Menschen an, was mein Gewissen gläubct,Wenn sonst nur christlich Ding mein Lauf mit ihnen treibet?Gott gläub ich, was ich gläub; ich gläub es Menschen nicht.Was richtet denn der Mensch, was Gott alleinc richt?

(62) Verleumdung.

Wenn man eine Wunde haut, sieht man eher Blut als Wunde:Ungunst merkt man bald bey Hof, aber nicht aus was für Grunde.

(63) Plauderet).

Wo kein Brunn, da kanns nicht fließen:Wer viel redet, muß viel wissen.Veit sagt viel, weiß nichts; er flicke,Dünkt mich, Lügen vor die Lücke.

(64) Auf den Siccus.

Siccus ist ein Todtcngräbcr, der das Geld mit Erde deckt,Und sein Sohn ein Tausendkünstler, der die Todten aufcrweckt.

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