Zehntes Buch.
Fürwahr wir brauchen itzt rechtschaffen diese Gabe,
Es scheint, daß unser Thun sonst nichts als Worte habe.
(6) Unbeständige Arbeit.
Wer nimmer nichts vollbringt, und fangt doch vieles an,Wird in Gedanken reich, im Werk ein armer Mann.
(7) Auf den Vagus.
Vagus hat sich, Glück zu fangen, immer hin und her gewagt,Ungewiß ob ihn das Glück, oder er das Glücke jagt.
(8) Fürstensreundschaft.
Weil Fürsten Menschen sind, und weil der Menschheit BestesDie wahre Freundschaft ist, (wovon man nicht viel FestesBey hohen Häuptern spürt;) so ists natürlich Ding,Daß auch cin Fürstcnsimi nach diesem Gute hicng;Am Wählen fehlt es nur. Sie Pflegen die zu kiesen,Die mit getheilter Zung und krummem Knie sich wiesen.Bey welchem frcvcs Wahr, der Freundschaft Seele, wohnt,Der bleibt vor ihrer Gunst gar sicher und verschont.
(9) Der Welt SiißbittreS.
Welt giebt ihren Hochzcitgästcn erstlich gerne guten Wein;
Und schenkt ihnen sauer» Lauer, wenn sie schon bethört sind, cin.
(10) Hofspeise.
Bey Fnrstcntafel» geht was auf, und wie der Zettel weist,So werden Zungen immer mehr, als Herzen, da gespeist.
(11) Bauern.
Die Bauern sind so listig, und sind gleichwohl so grob? —Sie sinnen nur auf Eines, und halten auch darob.
(12) Erabschrift eines Beutels.
Hier liegt ei» Beutel, der ist todt, die Sccl ist ihm entwiche»;Das Lebe» wird, thu Geld darein, bald wieder in ihn krieche».
(13) Ein altes Weib.
Alte Weiber sind die Sträuche drauf vor Zeiten Rosen stunden:Ob die Rosen sind verblichen, werden doch die Dörner funden.
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