Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
256
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266 Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(63) Reichthum.

Biel haben nicht; nicht viel bedürfen machet reich:

Wenn ihr nicht habt, was ihr nicht dürft, was fehlet euch?

(64) Heuchelet).

Die Redlichkeit ist Gold, die Heuchelet, ist Erde :

Zu suchen die aus der, darf Kunst und hat Beschwerde.

(66) Bücherstube.

Dieses ist ein Todtcngrab, und die Todten reden gar:Zeigen was entfernet ist, sagen was geschehen war.

(66) (?iu Rath.

Kennt ein Rath nicht seinen Fürsten, und der Fürst nicht seinen Rath:Räth sichs übel, folgt sichs übel, und der Rath kommt nicht zur That.

(67) Sittsamkeit.

Ze Heller Feuer brennt, je minder Feuer raucht:

Ze mehr bey einem Witz, je mehr er Glimpf gebraucht.

(68) Ein menschlich Vieh.

Mancher weiß nicht durch Vernunft rühmlich sich zu weisen;Sucht darum durch Unvernunft sich uns anzupreisen.

(69) Lobgciz.

Wer hungrig ist auf Lob, ist gern an Tugend leer.Die Tugend hat genug, darf Lob nur ohngcfähr.

(70) Sin versoffen Weib.

Ein Weib, das gerne trinkt, spcvt unversehens ausIhr Ehr und gut Gerücht, und endlich Hab nnd Haus.

(71) Gelehrte Leute.

Die Gelehrten sind nicht gerne von den Alten und den Rothen;Den» sie sind zu allen Zeiten untermischet mit den Todten.

(72) Auf den Niger .

Niger schickte seine Ohren ans den Markt, da kauften sieEinen Titel: Einen ärgern Schelm, als Nigern, sah man nie.