vilftes Buch,
(66) Begierden.
Begierden sind ein hartes Pferd, das seinen Reiter reitet,
Wenn nicht Bcrnunft sein Maul versteht und recht den Zügel leitet,
(66) Die Wahrheit.
Bcv Hofe sagt man nicht von Wahrheit allzuviel:
Es will nicht, wer da darf; es darf nicht, wer da will.
(67) Wohlthat.
Die Wohlthat und das Gute, das wir dem andern schenken,Ist sattsam uns vergolten, wenn andre dran gedenken.
(68) Verheißungen.
Dein Ja soll sehn ein Pfand, bcv dem sich sicher weiß,Wer sein Vertrauen dir geliehn auf dein verheiß.
(69) Todesfurcht.
Wer Sterben ängstlich fürchtet, der höre meinen Rath:Er lebe wohl. Was bleibet, wovor er Grausen hat?
(60) Reime aus dem Stegcrcif.
Auf Einem Fuße stehn und hundert Bcrsc schmieden,
Das hab ich nie gekonnt, und bins auch wohl zufrieden,
Daß ich es noch nicht kann. Ein Pilz wächst Eine Nacht,
Die andre fällt er hin, drum wird er schlecht geacht.
Des Bacchus süßer Saft, worauf Poeten pochen,
Muß erst durch Sonn und Feit zahm werden und wohl kochen,
Das Wasser, das mit Macht aus allen Ritzen quillt,
Hat seine» Nutz zwar auch, nur daß es wenig gilt,
(61) Ehre.
Wenn Ehr und Eigennutz iu einer Sache streiten,So stehe daß du stehst der Ehr an ihrer Seiten.
(62) Verleumdung.
Daß ein Frommer dich geschmähct, trau nicht lcichtlich auf Bericht;Daß ein Böser dich geschmähct, wundrc dich darüber nicht.