Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
254
Einzelbild herunterladen
 

254

Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(45) Gegenwärtige und verlerne Tugend,

Tapfre Leute sieht der Neid gern begraben,Ausgegraben, wenn sie nicht mehr zn haben.

(46) Geld.

Der Menschen Geist und Blut ist itzo Gut und Geld:Wer dieß nicht hat, der ist ein Todter in der Welt.

(47) Christliche Liebe.

Liebe kaufte neulich Tuch, ihren Mantel zu erstrecken:

Weil sie, was durch dreyßig Jahr Krieg verübt, soll alles decken.

(48) HundcStrcnc.

Hunde lecken srcmdcn Schaden: Menschen sind viel minder treu!Jeder muß ihm selber rathen, Fremde tragen leichtlich Scheu.

(49) Zuwachs der Ticbe.

Diebe, die der Krieg gesät, läßt der Friede reichlich finde»,Und der Henker mäht sie ab; wird in Hanf die Garbe» binden.

(60) Auf den Rigricanus.

Kein Mensch kann zweyen Herren dienen. Hiczu weiß Nigricanus Rath,Der seinen Gott auf seiner Zunge, den Teufel in dem Herze» hat.

(51) Hoflcbc».

Von dem Leben an den Höfen hab ich manchmal viel gelesen:O das Lesen ist mir besser, als das Selber da gewesen.

(52) Zornmlhcil.

Wo der Dorn der Richter ist, hat Gerechter schon verspielt:Weil der Zorn nicht auf das Recht, sondern auf die Rache zielt.

(53) Rathen .

Wer andern Rath ertheilt giebt wider sich den Rath:Denn Zorn' erfolgt für Dank, wenn Rath gcfcl'lct hat.

(54) Poeten.

Es helfen große Herren Poeten zwar zum Leben,Die aber tonnen jenen, daß sie nicht sterben, geben.