Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
253
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Silftes Buch,

253

(37) Auf eine wollüstige Person,

Wärst du nicht ein Mensch geworden, Lieber, wozu wärst du tüchtig?Nur zur Sau: die lebt zum Fressen, und ist unnütz sonst und nichtig,

(38) Hofgunst,

Wer treu bey Hofe dient, verdient doch lauter Haß.Wie so? Wem man viel soll, vor diesem wird man blaß.

(39) Leid und Freude.

Ist ein Böser wo gestorben:Traure, denn er ist verdorben.Ist ein Frommer wo verschieden:Freu dich! denn er ist im Frieden.

(40) Thorheit.

Unter Thieren ist kein Narr. Affen treiben Gaukclcvn;

Aber dieß ist Ernst und Art, ist nur Thorheit nach dem Schein.

Bleibt dabey, daß nur der Mensch bcv Vernunft ein Thor kann sevn,

(41) Kleider.

Was ists, was uns bedeckt, und gleichwohl auch entdeckt?Das Kleid bedeckt den Mann und weist was in ihm steckt.

(42) TaS Herz.

Gott giebt uns, an Leib und Seele, so viel Schätze, so viel Gaben,Will für Gaben, will für Schätze, bloß nur unsre Herzen haben:Wir zwar nehmen Schätz und Gabe», lassen aber Schätz und Gabe»(Nicht der Schätz und Gaben Geber) unsre ganzen Herzen haben.

(43) Das Kreuz.

Gottes Kelch ist bitter trinken, sonderlich der letzte Grund;Bösen ist das letzte Saufen, Frommen erster Trunk vcrgunnt.

(44) Mutterliche Liebe.

Die Mutter trug im Leibe das Kind drcv Bicrlhcil Jahr;

Die Mutter trug auf Armen das Kind wcils schwach noch war;

Die Mutter trägt im Herzen die Kinder immerdar.