Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
276
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(112) Die entschiedene Streitigkeit.

Stadt und Land hat viel gestritten,Wer im Kriege mehr gelitten.Aber mm kömmt an den Tag,Was die stolze Stadt vermag,Und wer hier die Haut gefunden,Die dem Lande wcggeschundcn.

(113) Ein Weiser unter Narren.

Wer nntcr Narren wohnt, wie viel auch deren seyn,Ist unter ihnen doch als wär er gar allein.

(114) Flüchtige Zeit.

Wer die Zeit verklagen will, daß sie gar zu früh verraucht,Der verklage sich nur selbst, daß er sie nicht früher braucht.

(116) Das Glücke.

Ist unser Glücke schwer, drückt, beugt und macht uns müde:Geduld! wir schlugcns selbst in unsrer eignen Schmiede.

(116) Gottesdienst ist ohne Zwang.

Wer kann doch durch Gewalt den Sinn zum Glauben zwingen?Verleugnen kann wohl Zwang, nicht aber Glauben bringen.

(117) Stillstand.

Ist gleich mancher nicht der Klügste, dennoch kann ihm etwas gcltlDaß ihn ja für keinen Narren Kluge pflegen anszuscheltcn.

(118) Hitzige Rathschlage.

Rath, der gar zu spitzig, pflegt sich umzusetzen;Rath, der nicht zu spitzig, laßt sich leichte wetze».

(119) Menschlicher Wandel.

Unsers Lebens ganzer Wandel steht im Lerne» und Vergessen:Nur wird Lernen und Vergessen falsch getheilt und abgemessen;Was vergessen werde» sollte, Pflegen wir sehr gnt zu wissen,Was gclernct werden sollte, wollen wir am liebsten missen.

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