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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
„Die stille fromme Zucht, die Eingezogciihelt,
„Die Rede, welche schweigt, erwirbt Gefälligkeit."
Schweig, alter Vater, schweig von so verrosten Sprüchen:
Sonst lohnt man dich dafür mit Alamodcflüchcn!
Du hast den Amadis, woraus man discurirt,
Nie oder nicht genug gelesen und studirt.
Die Ethik deiner Zeit ist lange schon vermodert.
Bon braven Damen wird anitzo mehr gcfodert.
Nein, ja, ich weiß es nicht, das war nur damals gnug,
Als Jungfern, was die Kuh hergab, und was der Pflug
Erwarb, herzählcten; die Junker gicngcn seichte,
Sie waren nicht weit her, und zu erreichen leichte;
Eicngs wo recht höflich zu, so klang ein Ncitcrlicd,
Der grüne Tannenbaum, und dann, der Lindenschmidt.
Itzt ist die Hcldcnzcit, itzt herrschen solche Sinnen,
Die nicht im Grase geh»; die zu den hohen Zinnen
Der Ehr gestiegen sind; in denen Muth nnd Geist
Den Mund von nichts als Krieg, Sieg, Mannhcit reden heißt,
Und dann von Tourtoisie und süßem Caressiren
Der Damen, die es werth, und die sie obligiren
Zu dienstlichem Faveur durch schönen Unterhalt
Und lieblichen Discours, die nicht so kahl und kalt
An Worten wie ums Maul, die nicht, wie stumme Götzen
Nur in die Kirche sind, nicht an den Tisch, zu setzen
Und die man billig heißt ein hölzern Frauenbild,
Das nur zum Schauen taugt und nicht zum Branchen gilt.
Hier hört Don Floriscl der Helena Befehlen;
Das Fräulein Svdera kann auf die Dienste zähle»
Des Don Rogclio; und Oriana hat
Den tapfern Amadis und alle seine That
Zu vollem Brauch und Pflicht. Die nur mit stummen Sitten
Und siegclfcstem Mund ihr Angesicht uns biete» »
Wie Larven ohne Hirn, die taugen nicht hicher,
Und ihres Bettes Halst bleibt billig kalt nnd leer.
Die Zunge muß es thun, sie muß die süßen Trauben,
Die auf den Lippen stehn, verbiete» nnd erlaube»,
Nach dem es jeder werth. Soll ei» crgctzlich Kuß
Scvn besser angebracht, als auf des Pabstcs Fuß:
So giebt ein lieblich Wort dem Liebsten ein Gcmerke,
Sein Thun sey wohl gethan, gefällig sci»c Werke.