III. Von der eiittheilmig der Fabeln. 401
Wcltweiscn können bewenden lassen? Zch weis nicht. Widerihre logicalische Nichtigkeit habe ich nichts zu erinnern; sie er-schöpft alles, was sie erschöpfe» soll. Aber man kann ein gu-ter Dialektiker seyn, ohne ein Mann von Geschmack zu sey»;und das letzte war IVolf, leider, wohl nicht. Wie, wenn esauch ihm hier so gegangen wäre, als er es von dem Aphrho-nius vermuthet, daß er zwar richtig gedacht, aber sich nicht sovollkommen gut ausgedruckt hätte, als es besonders die Kunst-richtcr wohl verlangen dürften? Er redet von Fabeln, in wel-chen den Subjecten Leidenschaften und Handlungen, überhauptPra'dicatc, beygelegt werden, deren sie nicht fähig sind, die ih-nen nicht zukommen. Dieses nicht zukommen, kann einenA'cln Verstand machen. Der Dichter, kann man daraus schlics-sen, ist also nicht gehalten, auf die Naturcii der Geschöpfe ziisehen, die er in seinen Fabeln aufführet? Er kann das Schafverwegen, den Wolf sanflinüthig, den Esel feurig vorstellen;er kann die Tauben als Falken brauchen und die Hunde vonden Hasen jagen lassen. Alles dieses kömmt ihnen nicht zu;aber der Dichter macht eine sittliche Fabel, und er darf es ih-nen beylegen. — Wie nöthig ist es, dieser gefährlichen Auslegung,diesen mit einer Überschwemmung der abgeschmacktesten Mähr-chcn drohenden Folgerungen, vorzubauen!
Man erlaube mir also, mich auf meinen eigenen Weg wie-der zurückzuwenden. Zch will den Wcltweiscn so wenig alsmöglich aus dcm Gesichte verlieren; und vielleicht kommen wir,am Ende der Bahn, zusammen. — Zch habe gesagt, undglaube es erwiesen zu haben, daß auf der Erhebung des ein-zeln Falles zur Wirklichkeit der wesentliche Unterschied der Pa-rabel, oder des Ercmpcls überhaupt, und der Fabel beruhet.Diese Wirklichkeit ist der Fabel so unentbehrlich, daß sie sicheher von ihrer Möglichkeit, als von jener etwas abbrechen läßt.Es streitet minder mit ihrem Wesen, daß ihr einzelner Fallnicht schlechterdings möglich ist, daß er nur nach gewissen Vor-aussetzungen, unter gewissen Bedingungen möglich ist, als daßer nicht als wirklich vorgestellt werde. Zn Ansehung dieserWirklichkeit folglich, ist die Fabel keiner Verschiedenheit sähig;wohl aber in Ansehung ihrer Möglichkeit, welche sie vcrändcr-Lessmgs Werke V. 26